Neue Taufagende zur Erprobung eingesetzt

Lehner: Neue pastorale Situation – Agende von 1984 bleibt in Erprobungsphase weiterhin gültig

Wien (epd Ö) – Die vorläufige Einführung einer neuen Taufagende hat die Synode A.B. am 25. Oktober beschlossen. Diese neue Agende „Die Taufe als Weg“ ist bis 31. Dezember 2014 zur Erprobung eingesetzt, die Presbyterien und Superintendentialausschüsse sollen dem Oberkirchenrat und dem Ausschuss für Gottesdienst und Kirchenmusik bis 31. Dezember 2013 ihre Erfahrungen mit der neuen Agende mitteilen. Während dieser Erprobungsphase bleibt die alte Agende aus dem Jahr 1984 weiterhin in Kraft.

 

Eine neue Agende sei notwendig geworden, weil sich „die pastorale Situation verändert hat“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses für Gottesdienst und Kirchenmusik, Superintendent Gerold Lehner, in seiner Vorstellung der Agende vor der Synode. Von Seiten der Familien gebe es eine zunehmende Praxis des Taufaufschubs und eine schwindende kirchliche Sozialisation. „Auf Seiten der Kirche sehen die Pfarrgemeinden die Taufe vermehrt als einen beginnenden Weg, den sie begleiten.“ Außerdem werde die Taufe deutlicher als bisher im ökumenischen Kontext und im Kontext der eigenen reformatorischen und altkirchlichen Tradition verankert.

 

Dem Beschluss der Synode war eine kontroverse Diskussion vorangegangen. Besonders entzündet hat sich die Diskussion an der so genannten „Abkehr und Hinwendung“, bei der die Eltern während der Taufe gefragt werden, ob sie sich von allem abwenden, „was sich wider Gott erhebt und seine Gaben des Lebens zerstört“. So wandte der Superintendent von Kärnten, Manfred Sauer, ein, dass diese Agende „rückwärtsgewandt“ sei. „Wir müssen hier wesentlich progressiver und mutiger sein.“ Sauer plädierte dafür, dass die Agende nicht als Agende, sondern als „hilfreiches Buch den Gemeinden zur Verfügung gestellt wird“. Es dürfe nicht etwas von den Eltern und den PatInnen verlangt werden, was sie nicht bejahen können, so Evi Lintner, Superintendentialkuratorin der Steiermark. „Agenden müssen so gestaltet werden, dass ihre Symbole nicht zu leeren Handlungen werden“, betonte der Professor für Neues Testament an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Wilhelm Pratscher. „Agenden müssen so gestaltet werden, dass sie der Wirklichkeit entsprechen.“

 

Die Volkskirche und die Taufe seien keine „Selbstläufer“, es müssten Haltepunkte angeboten werden, an denen der christliche Kontakt wachsen könne, sagte Lehner. „Sicher gibt es diese Spannung zwischen Anspruch und Wirklichkeit, und wir können diese Spannung nicht auflösen, sondern müssen sie aushalten, und daher müssen wir auch die Eltern in die Pflicht nehmen: ‚Ja, wir erwarten von euch, dass ihr dieses Versprechen haltet‘.“
Hinweis: Bilder zur Synode finden Sie auf foto.evang.at/

ISSN 2222-2464