Neue Schule für Jugendliche mit Unterstützungsbedarf

Die neue I-FIT-Schule hat Menschen mit Vielfalt im Blick und fördert sie individuell. Foto: www.ifit.or.at
Die neue I-FIT-Schule hat Menschen mit Vielfalt im Blick und fördert sie individuell. Foto: www.ifit.or.at

Schiefermair: „Neuer bunter Fisch im Aquarium evangelischer Schulen“

Wien (epdÖ) – Speziell an ausgrenzungsgefährdete beziehungsweise sozial benachteiligte Jugendliche mit und ohne leichte Behinderung richtet sich die neue I-FIT-Schule der Diakonie-Bildung und des Evangelischen Schulwerks. Am 4. Mai wurde die berufsbildende mittlere Schule in Wien eröffnet, I-FIT steht dabei für „Inklusive Fachspezifische Schule für individualisierte Teilausbildungen“. Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Kirche sowie zahlreiche SchülerInnen, LehrerInnen und Eltern nahmen an der Veranstaltung teil.

„Am Anfang stand mein pathologischer Optimismus“, erklärte Helga Keil-Bastendorff. Vor rund zehn bis zwölf Jahren begann sie, mit Jugendlichen mit Behinderung zu arbeiten. „Ich habe schnell gemerkt, dass diese Menschen viele Stärken und ein Ausbildungspotential haben“, so Keil-Bastendorff in ihren Begrüßungsworten. Damit die Ausbildung der Jugendlichen auch ernst genommen werde, sei die Idee entstanden, eine Schule zu gründen. In den vergangenen Jahren habe sie viel gelernt, insbesondere wie wichtig Persönlichkeitsbildung für diese jungen Menschen sei.

„Wenn wir sie nicht hätten, wären wir wirklich arm“, sagte Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl. Es könne nie genug gute Schulen in Wien geben, zeigte sie sich überzeugt, jetzt gäbe es eine weitere. Großes Lob gab es von der Präsidentin auch für die „hervorragende Zusammenarbeit“ zwischen dem Evangelischen Schulwerk, der Diakonie und ihrer Behörde.

Als „einen weiteren bunten Fisch in unserem Aquarium an Schulen“ begrüßte Oberkirchenrat Karl Schiefermair die neue I-FIT Schule, die im Herbst 2011 ihren Lehrbetrieb aufnahm. „In dieser Schule sind Menschen mit Vielfalt im Blick, die dort gefördert werden, wo sie es brauchen“, betonte der Oberkirchenrat. Er hofft, dass diese Schule „ein Modell werden kann für das Zusammenleben von behinderten und nicht behinderten Menschen in unserer Gesellschaft und ein Vorbild für die österreichische Bildungspolitik“.

Martin Schenk, stellvertretender Direktor der Diakonie Österreich, unterstrich die Wichtigkeit von Investitionen in soziale Bereiche wie etwa Schulen. Trotz Krise käme es immer noch günstiger, Geld in Schulen und Bildung zu stecken, die Folgekosten seien erheblich höher. „In Österreich gibt es 10.000 Schulabbrecher, diese werden die Volkswirtschaft einmal drei Milliarden Euro kosten. Das zeigt, wie wichtig solche Schulen sind“, machte Schenk deutlich.

Menschen zu helfen, wo der Markt alles bestimme, ist für Wiens Superintendentialkuratorin Inge Troch sehr wichtig. Veronika Weisskircher von der Diakonie Bildung blickte zurück auf die Entstehung der Schule und der Zusammenarbeit zwischen Diakonie und dem Institut Keil. Sie sei von Anfang an von dem Projekt begeistert gewesen, und es sei ihr nicht schwergefallen, die Idee in den Gremien durchzubringen. „Ich habe selten so viel Begeisterung und Leidenschaft für ein Projekt gesehen.“ Schulleiter Thorsten Gegenwarth zeigte sich berührt und lobte sein Team. In seiner kurzen Ansprache anlässlich der Segnung der I-FIT-Schule erinnerte Wiens Superintendent Hansjörg Lein an die Worte des Apostels Paulus aus dem 1. Korintherbrief, wonach ein Körper immer aus vielen Teilen bestehe, die alle notwendig und aufeinander angewiesen sind. Dies gelte nicht nur für die Kirche, sondern für die ganze Gesellschaft.

Höhepunkt der Veranstaltung war die Präsentation einer Yoga-Übung von Schülerinnen der neuen Schule. Das Buffet im Anschluss an die Feierlichkeit wurde von Schülerinnen und Schülern der I-FIT-Schule zubereitet, für die musikalische Umrahmung sorgten zwei Schüler der Johann Sebastian Bach Musikschule.

Die vom Evangelischen Schulwerk A.B. Wien getragene Schule vereint in neuer Weise berufliche Bildung, sonderpädagogische Begleitung und wirtschaftliche Ausrichtung unter einem inklusiven gemeinsamen Dach. Die Schülerinnen und Schüler können in einem (sonder-)pädagogisch gut geführten Setting sozial und das Arbeitsverhalten betreffend voneinander lernen, beide Gruppen – behinderte und nicht behinderte Menschen – bilden ihre Kompetenzen und Qualifikationen schon ab Beginn der Berufsorientierung an den an der Schule bestehenden internen als auch teilweise externen Wirtschaftsbetrieben (Dienstleistung und Produktion) aus.Die neue I-FIT-Schule hat Menschen mit Vielfalt im Blick und fördert sie individuell. Foto: www.ifit.or.at

ISSN 2222-2464