Nazi-Vandalismus in Wiener Seestadt Aspern

Das Areal des "Campus der Religionen" in der neu entstehenden Seestadt Aspern mit den Fahnen für die einzelnen Religionsgemeinschaften (Foto: M. Schomaker)
Das Areal des „Campus der Religionen“ in der neu entstehenden Seestadt Aspern mit den Fahnen für die einzelnen Religionsgemeinschaften (Foto: M. Schomaker)

Symbolische jüdische Fahne umgeworfen und mit Hakenkreuz beschmiert

Wien (epdÖ) – Sechs unterschiedliche Religionsgemeinschaften und Konfessionen errichten in der neu entstehenden Seestadt Aspern in Wien 22 einen „Campus der Religionen“ – ein gemeinsames Areal, das alle Gotteshäuser beherbergen und das geistliche Zentrum der Seestadt werden soll. Auf dem Gelände des Campus ist in der Nacht auf Donnerstag, 23. Juli, ein Fahnenmast mit einer symbolischen jüdischen Fahne umgeworfen und die Fahne mit einem Hakenkreuz beschmiert worden.

In einer Stellungnahme verurteilt Thomas Hennefeld, Landessuperintendent der Reformierten Kirche in Österreich, den Vandalenakt am geplanten „Campus der Religionen“ in der Seestadt Wien-Aspern scharf: „Ich bin bestürzt über den bösartigen antisemitischen Vandalenakt auf dem Campus der Religionen in der Seestadt Aspern und verurteile ihn aufs Schärfste. Es macht mich betroffen, dass an einem Ort, an dem Menschen unterschiedlicher Religionsgemeinschaften ein Zeichen der Versöhnung und des Miteinanders gesetzt haben, so ein Ausbruch von Hass und Feindseligkeit geschehen ist.“

Hennefeld, der auch Stellvertretender Vorsitzender der Plattform für Interreligiöse Begegnung ist, drückt in seiner Stellungnahme der Israelitischen Kultusgemeinde seine Solidarität aus und schließt sich der Forderung an, „alle Anstrengungen zu unternehmen, die Täter auszuforschen und diese Untat rasch aufzuklären. Sie darf auf keinen Fall bagatellisiert werden.“ Der Vorfall bringe „schmerzlich in Erinnerung, dass rechtsextremes, neonazistisches und antisemitisches Gedankengut in unserer Gesellschaft lebendig ist“. Die „Untat“ richte sich gegen die jüdische Gemeinschaft, aber auch gegen Bestrebungen, das Miteinander von unterschiedlichen Religionen und Bevölkerungsgruppen zu fördern.

„Bestürzt und angewidert“ zeigt sich Pfarrer Hans-Jürgen Deml, Stellvertreter des Wiener Superintendenten Hansjörg Lein, angesichts des Vandalenakts: „Ich verurteile und bedaure diese Tat. Der Israelitischen Kultusgemeinde spreche ich ausdrücklich unsere Solidarität aus“, erklärt Deml, der auch Mitglied in der Plattform für Interreligiöse Begegnung ist. Deml unterstützt die Forderung der Kultusgemeinde nach einer „Kraftanstrengung“, die Täter sofort ausfindig zu machen. „Generell frage ich mich: Wie können wir auch Menschen, die Ängste vor anderen Kulturen haben, mitnehmen auf den Weg des Friedens?“, so Deml weiter. „Eines ist klar: Wir werden diesen Weg des Friedens weitergehen.“

Kultusgemeinde: Gemeinsames Auftreten gegen Antisemitismus und Rassismus

Die Israelitische Kultusgemeinde (IKG) ist „bestürzt über diesen provokanten Vorfall“ und fordert eine „sofortige Kraftanstrengung zur Ausforschung der Übeltäter“, so der Pressetext der IKG. „Ein gemeinsames Auftreten von Politik, Religionsgemeinschaften und Zivilgesellschaft gegen steigenden Antisemitismus, Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz gegenüber Minderheiten aller Art ist ein Gebot der Stunde“, wird IKG-Präsident Oskar Deutsch zitiert.

Auch die Römisch-katholische Kirche Wiens verurteilt den antisemitischen Vandalenakt in der Seestadt Aspern und drückt der Israelitischen Kultusgemeinde ihre tiefe Betroffenheit aus. Der für das Stadtgebiet zuständige Bischofsvikar der Erzdiözese Wien, Dariusz Schutzki: „Es macht mich nachdenklich, dass in unserer Stadt, die so viele Menschen willkommen heißt und die für so viele Menschen mit unterschiedlichen Religionen und Weltanschauungen Heimat geworden ist, ein solcher Akt möglich ist.“ Der Vorfall sei ein Anlass, „unser Bekenntnis zur Notwendigkeit des interreligiösen Dialogs und des Zusammenhalts der Religionen und Konfessionen zu bekräftigen und weiterzuführen“.

Das Presbyterium der Evangelischen Pfarrgemeinde Wien-Donaustadt ist „tief betroffen und verurteilt auf das Schärfste den Vandalenakt“, wie es in einer Aussendung heißt. „Wir wollen im Gebet und in der Fürbitte unsere Verbundenheit mit der jüdischen Glaubensgemeinschaft ausdrücken.“ Die Pfarrgemeinde hält „ausdrücklich“ am Projekt „Campus der Religionen“ fest: „Wir stehen für Offenheit, Solidarität und Miteinander“, schreiben Seniorin Pfarrerin Verena Groh und der stellvertretende Kurator Roland Weng.

In einer Stellungnahme der Österreichischen Buddhistischen Religionsgesellschaft schreibt deren Präsident Gerhard Weißgrab: „Es geht um weit mehr, als solche Aktionen einfach nur zu verurteilen. Wir müssen diese Zeichen richtig verstehen, sie sind Ausdruck gefährlicher Entwicklungen in unserer Gesellschaft. Das klar zu erkennen und gemeinsam dagegen zu arbeiten ist oberstes Gebot.“ Die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft weiß sich „mit unseren jüdischen Schwestern und Brüdern solidarisch im entschiedenen Auftreten gegen solche Aktionen“. Dieses Geschehen zeige, wie wichtig das Gemeinsame der Religionen sei.

Am 19. Juni 2015 wurde das Areal des „Campus der Religionen“ in der neu entstehenden Seestadt Aspern in Anwesenheit von Stadtrat Michael Ludwig (SPÖ) sowie christlicher, muslimischer, buddhistischer und jüdischer Würdenträger eingeweiht. Dabei wurden Fahnen für die einzelnen Religionsgemeinschaften aufgezogen. Der Wiener evangelische Superintendent Hansjörg Lein betonte bei dem Festakt: „Die Religionen möchten zum Frieden in dieser Stadt beitragen und daran mitarbeiten, dass auch in Zukunft dieser Friede gewahrt und sogar ausgebaut wird.“

ISSN 2222-2464