Naher Osten: Gerechter Friede für beide Seiten

Alltagsszene aus Hebron: Soldaten patrouillieren durch die Straße. Foto: Pedersen/EAPPI
Alltagsszene aus Hebron: Soldaten patrouillieren durch die Straße. Foto: Pedersen/EAPPI

Der Ökumenische Rat der Kirchen setzt sich weiterhin für Deeskalation und Frieden ein

Wien (epdÖ) – Das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) setzt sich trotz der angespannten Lage weiterhin für Frieden im Nahen Osten ein. Die Tirolerin Stefanie Gartlacher ist im August von einem fünfmonatigen Aufenthalt in Hebron im Westjordanland zurückgekehrt und berichtet im EPD-Gespräch von ihren Erfahrungen. Hebron erlangte im neu entfachten Konflikt traurige Berühmtheit, als die Leichen dreier israelischer Religionsstudenten Ende Juni nahe der Stadtgrenze gefunden wurden. Ihre Entführer waren mutmaßliche Hamas-Mitglieder aus Hebron. Der Alltag der Bewohner Hebrons im Westjordanland sei „die Hölle“. Provokationen, Tränengas und Gummigeschosse gehörten zum Alltag in der geschichtsträchtigen Stadt, so Gartlacher.

Seit dem Neuaufflammen des Konflikts sei ein normales Leben im Westjordanland nicht mehr möglich. In der geteilten Stadt Hebron leben 80 Prozent Palästinenser und rund 20 Prozent israelische Siedler. Insgesamt sei die Bewegungsfreiheit der Palästinenser stark eingeschränkt. So müssten Schüler auf ihrem Weg in die Schule oftmals mehrere Checkpoints überqueren. Gegenseitige Provokationen und kleinere Konflikte seien an der Tagesordnung. Nach dem Bekanntwerden der Entführung hatte das israelische Militär zahlreiche Razzien und Untersuchungen in Hebron durchgeführt und über 400 palästinensische Verdächtige festgenommen. Dies führte zu zahlreichen Demonstrationen, bei denen mindestens vier Palästinenser von israelischen Soldaten erschossen wurden.

In Österreich für EAPPI federführend zuständig ist der reformierte Landessuperintendent Thomas Hennefeld: „Wir stehen auf der Seite jener, die sich für einen gerechten Frieden einsetzen und wir sind gegen jene, die das nicht wollen.“ Diese Trennlinie verlaufe quer durch die israelische und palästinensische Bevölkerung, so Hennefeld. Er sieht EAPPI als erfolgreiche Möglichkeit, wie engagierte Zivilisten zu einer Deeskalation eines Konflikts beitragen könnten. Für den Einsatz kämen freilich nur Personen in Frage, die sowohl das notwendige Verständnis für die Region und den Konflikt wie auch die nötigen physischen und psychischen Voraussetzungen mitbringen.

Das Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel (EAPPI) ist eine Organisation des Weltkirchenrates mit Sitz in Genf. Es setzt sich vor Ort für ein friedliches Zusammenleben zwischen Palästinensern und Israelis ein. Seit seiner Gründung im Jahr 2002 haben sich bereits über 1400 Mitarbeiter von EAPPI an verschiedenen Orten in Israel für den Frieden eingesetzt. Zu den Aufgaben der Helfer zählen Einsätze an den Checkpoints, Rundgänge in betroffenen Dörfern sowie Notfalleinsätze, beispielsweise nach Überfällen und Schusswechseln.

Stefanie Gartlachers Erfahrungen können Sie auch in ihrem Blog unter www.philnemo.com/hebrons-children nachlesen. Weitere Informationen über EAPPI unter www.eappi.org.

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ISSN 2222-2464