Museumsdorf Niedersulz zeigt „Evangelisch im Weinviertel“

Reges Interesse bei der Eröffnung der Ausstellung im Weinviertler Museumsdorf Niedersulz. Foto: epd / T. Dasek
Reges Interesse bei der Eröffnung der Ausstellung im Weinviertler Museumsdorf Niedersulz. Foto: epd / T. Dasek

Neu gestaltete Ausstellung in der „Lutherischen Kapelle“

Niedersulz (epdÖ) – Geschichte und Gegenwart der Evangelischen im Weinviertel zeigt die neu gestaltete Ausstellung im Museumsdorf Niedersulz. Die 1999 von Gustav Reingrabner erstellte Ausstellung in der „Lutherischen Kapelle“ wurde zum Reformationsjubiläum neu konzipiert und gestaltet. Am Sonntag, 7. Mai, erfolgte die Eröffnung unter Anwesenheit zahlreicher Ehrengäste der Evangelischen Kirche und des Kulturbereichs des Landes Niederösterreich.

Neben dem neuen Bereich der „Bilderwelt“ bietet die Ausstellung zwei Textebenen, Kurzinformationen und vertiefende Texte, erklärte die Leiterin des Museumsdorfes, Veronika Plöckinger-Walenta. In die Geschichte der Evangelischen im „Viertel unter dem Manhartsberg“ führte der emeritierte Kirchenhistoriker und Kirchenrechtler Gustav Reingrabner ein. Der Protestantismus habe zur Zeit der Reformation eine „bedeutende Stellung“ im Land eingenommen, bis die Habsburger das Programm der Rekatholisierung „mit Zielsicherheit“ durchführten. „75 Prozent der Bewohner Niederösterreichs waren Ende des 16. Jahrhunderts evangelisch oder fühlten sich evangelisch“, so Reingrabner. Aufgrund der offenen Siedlungsstruktur und der machtvollen Stellung vieler Klöster habe sich im Folgenden kein Geheimprotestantismus gebildet, das protestantische Leben sei „konsequent zurückgedrängt“ worden. Im Unterschied zu anderen Regionen seien die evangelischen Gemeinden durch das Fehlen der Industrie auch nicht durch Zuzug oder die „Los von Rom“-Bewegung gewachsen. Heute leben die Evangelischen im Weinviertel in vier Pfarrgemeinden von insgesamt 28 in Niederösterreich. „Der Protestantismus im Weinviertel war mancherorts nur Episode, insgesamt aber doch ein kleiner Baustein“, schloss der Kirchenhistoriker.

Die lutherische Kapelle im Museumsdorf. Foto: Museumsdorf Niedersulz
Die „Lutherische Kapelle“ aus dem 18. Jahrhundert bietet die Räumlichkeiten für die Ausstellung. Foto: Museumsdorf Niedersulz

Auf die Schwierigkeit, „Evangelisch-Sein“ in Ausstellungen darzustellen, wies der niederösterreichische Superintendent Lars Müller-Marienburg hin. „Glaube hat mit Vertrauen zu Gott zu tun und nicht mit Dingen; das Wesen des evangelischen Glaubens ist unsichtbar“, sagte der Superintendent bei der Ausstellungseröffnung, die der evangelische Chor aus Melk-Scheibbs unter Sybille von Both musikalisch begleitete. Gefeiert würden im Jahr des Reformationsjubiläums nicht Luther oder seine Zeitgenossen, auch nicht die Ergebnisse der Reformation, vielmehr müssten die Gedanken im Vordergrund stehen, mit denen die Reformatoren zu ihren Ergebnissen gekommen sind. Kritisch äußerte sich Müller-Marienburg dabei zur neuen Luther-Übersetzung. „Der geniale Gedanke Luthers bestand in seinem Übersetzungsprinzip, dem Volk aufs Maul zu schauen.“ Anstatt dem folgend sich auf mehr Verständlichkeit zu konzentrieren, biete die neue Übersetzung „mehr Luther“. 2017 dürfe kein kirchliches oder theologisches „Kostümfest“ werden, warnte der Superintendent. Nicht die Verklärung der Vergangenheit sollte im Mittelpunkt stehen, sondern „weshalb so gehandelt und gedacht wurde“.

Unmittelbar neben der „Lutherischen Kapelle“ zeigt der Bereich Religion im Museumsdorf die Täufer-Ausstellung des Hutterischen Geschichtsvereins. Die Dauerausstellung thematisiert die Geschichte der Täufer und Hutterer von ihren Anfängen bis zu den Freikirchen der Gegenwart. Zwischen den beiden Gebäuden liegt der Bibelgarten mit zahlreichen Pflanzen, die in der Bibel vorkommen. Neben dem Namen der Pflanze ist jeweils auch die Bibelstelle ersichtlich.

Zu sehen ist die Ausstellung während der Öffnungszeiten des Museumsdorfes Niedersulz bis 1. November (Montag bis Sonntag, 9.30–18.00 Uhr, ab 15.10. bis 17.00 Uhr).

Info: museumsdorf.at

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ISSN 2222-2464