Müller: Vollversammlung des Weltkirchenrates lässt konfessionelle Vielfalt erleben

Integrationsarbeit geschieht vor allem in Kleingruppen

Porto Alegre/Wien (epd Ö) – „Was wir täglich hier mitbekommen, ist die ungeheure Vielfalt christlichen Lebens, nicht nur die konfessionelle, sondern auch die geografische Vielfalt bietet einen ungeheuren Reichtum“, sagte Superintendentin Luise Müller, die derzeit gemeinsam mit Michael Bubik vom Evangelischen Flüchtlingsdienst die Evangelische Kirche in Österreich bei der Vollversammlung des Weltkirchenrates in Porto Alegre (Brasilien) vertritt. Dieser Reichtum, so Müller in einem Gespräch mit Adalbert Krims von der Abteilung Religion im ORF-Hörfunk, präge auch ihre Arbeit und führe zu einer enormen „Horizonterweiterung“. Müller: „Mein Bild des Christentums wird völlig neu gemalt, nicht zuletzt durch Kontakte mit Menschen, die das Christentum an völlig anderen Punkten konkret werden lassen.“

Kritisch äußerte sich die Superintendentin gegenüber der Arbeit in den verschiedenen Plenumsgruppen. Integrationsarbeit, etwa im angespannten Verhältnis zwischen den protestantischen und orthodoxen Kirchen, geschehe vor allem in Kleingruppen. In der täglichen Bibelarbeit, so die Superintendentin der Diözese Salzburg/Tirol in dem Gespräch für „Religion Aktuell“ und den epd Ö, „sind wir einander sehr nahe“. Hier wachse das Vertrauen zueinander und die Bereitschaft, andere Standpunkte wahrzunehmen. „Der Versuch, unterschiedliche konfessionelle Meinungen in einen Integrationsprozess zu leiten, geschieht an diesen Orten.“ Abzuwarten sei jedoch, wie das Thema „Einheit der Kirche“ im Plenum der Vollversammlung diskutiert werde.

Auch beim Schwerpunktthema „Globalisierung“ habe das Plenum „viel Ratlosigkeit zurückgelassen“, berichtet Müller. Unterschiedliche Standpunkte konnten einander nicht deutlich gemacht werden, der Lerneffekt der „Präsentation“ zum Thema Globalisierung sei „sehr begrenzt“. Auch die unterschiedlichen Papiere seien bei den Hearings sehr ambivalent beurteilt worden.

In Porto Alegre diskutieren bis zum 23. Februar Vertreter von mehr als 340 christlichen Kirchen mit weltweit etwa 400 bis 500 Millionen Gläubigen. Unter dem Motto „In Deiner Gnade, Gott, verwandle die Welt“ wollen die Delegierten wirksamere Formen der Zusammenführung der Christen verschiedener Konfessionen erörtern. Wichtige Themen sind unter anderen die Globalisierung, wirtschaftliche Gerechtigkeit, die Überwindung von Gewalt und der Dialog mit anderen Religionen wie dem Islam. Es ist die erste Vollversammlung auf lateinamerikanischem Boden. Das Gremium kommt nur alle sieben Jahre zusammen. Die katholische Kirche nimmt als Beobachter teil.

ISSN 2222-2464