Müller: Einzig gültige Bibelübersetzung gibt es nicht

Beim Ostergespräch der Salzburger Nachrichten diskutierten Experten über Bibelausgaben und Bibelwissenschaften

Salzburg (epd Ö) – Keine Bibel, auch nicht die neue „Bibel in gerechter Sprache“, könne alle Schwierigkeiten der Bibelübersetzung ausräumen. Das war der Tenor eines Expertengesprächs, zu dem die Salzburger Nachrichten am 3. April geladen hatten. „Die einzig gültige Bibelübersetzung gibt es nicht“, hielt die Superintendentin der Diözese Salzburg-Tirol, Luise Müller, fest. Beim Vorbereiten von Predigten und beim wissenschaftlichen Arbeiten seien auch die Kommentare großer Exegeten wichtig, im privaten Gebrauch lese sie die Luther-Übersetzung ebenso wie andere.

Konfessionelle Abgrenzungen zwischen evangelischen und römisch-katholischen Wissen-schaftern sind in den Bibelwissenschaften nicht mehr zu erkennen, sagte der Salzburger Experte für Texte aus dem ersten Jahrhundert, Peter Arzt-Grabner. Allein das Ergebnis zähle, nicht, aus welcher christlichen Kirche ein Bibelwissenschafter komme. Alle relevanten Texte seien öffentlich zugänglich, eine „Verschlusssache Jesus“ wie Anfang der 90er-Jahre im gleichnamigen Bestseller behauptet, sieht Arzt-Grabner nicht. Der Wiener römisch-katholische Pastoraltheologe und Werteforscher Paul M. Zulehner unterstrich die Rolle der Mystik. Im Christentum habe die Person Jesu den Vorrang vor der Heiligen Schrift, im Unterschied zum Islam, der als Schriftreligion auf dem Koran beruhe.

Die Bibelwissenschafterin Maria Häusl hat in Dresden an der neuen „Bibel in gerechter Sprache“ mitgearbeitet. Dass Gott nicht nur als „der Ewige“, sondern auch als „die Ewige“ bezeichnet werde, ist für die Bibelwissenschafterin „kein Zugeständnis an den Zeitgeist“, vielmehr ein Signal, „dass Gott immer mehr ist, als was wir in männlichen oder weiblichen Begriffen ausdrücken“.

ISSN 2222-2464