Müller: Dialog zwischen den Religionen

Die interreligiöse Dialogveranstaltung in Salzburg stand im Zeichen der Verurteilung von religiös motivierter Gewalt. Foto: epd/Uschmann
Die interreligiöse Dialogveranstaltung in Salzburg stand im Zeichen der Verurteilung von religiös motivierter Gewalt. Foto: epd/Uschmann

Interreligiöses Treffen mit dem Dalai Lama in Salzburg

Salzburg (epdÖ) – Im Zeichen der Verurteilung von religiös motivierter Gewalt als „Missbrauch von Religion“ stand am 21. Mai die offizielle interreligiöse Dialogveranstaltung im Rahmen des Dalai Lama-Besuchs in Österreich. „Wenn man religiöse Werte tatsächlich lebt, ist es unmöglich, Religion für Gewalt zu missbrauchen“, sagte das geistliche Oberhaupt des Tibetischen Buddhismus bei dem Treffen in der Salzburgarena, an dem auch die evangelische Superintendentin Luise Müller, der Salzburger römisch-katholische Erzbischof Alois Kothgasser, der Präsident der Islamischen Glaubens-gemeinschaft Fuat Sanac und der Wiener Rabbiner Schlomo Hofmeister teilnahmen.

In ihrer kurzen Ansprache ging Superintendentin Müller auf die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen verschiedenen Menschen und Gruppierungen ein. „Es braucht den Dialog zwischen Kulturen und Religionen, da ansonsten friedliches Zusammenleben, also ein Zusammenleben, wo ich den anderen ernst nehme, mich auf ihn einstelle, ihn wert- und würdevoll wahrnehme, schwer möglich ist“, so Müller. Dieser Dialog geschehe auf unterschiedlichen Ebenen, in Begegnungen, in Diskussionen oder etwa in Gastfreundschaft. Das Wissen um den eigenen Glauben sei wichtige Voraussetzung für den Dialog ebenso wie „wahrhaftige Begegnung“. Auf Österreich-Ebene regte Müller eine gemeinsame Stellungnahme aller Religionen zum Thema Frieden nach dem Vorbild des „Ökumenischen Sozialwortes“ an.

Erzbischof Kothgasser betonte, dass die Religionen gemeinsam zu Frieden, Gerechtigkeit und der Bewahrung der Schöpfung beitragen wollten. Die Herausforderung einer multireligiösen Gesellschaft sei ein „bedeutsames Zeichen der Zeit“, der Dialog mit Andersgläubigen dürfe für Katholiken jedoch nicht einfach ein „Modetrend“ sein.

Alle fünf ReligionsvertreterInnen legten bei der Begegnung ein klares Bekenntnis zum Wert des interreligiösen Dialogs ab. Ein ernsthaft geführter Dialog könne helfen zu verhindern, dass Religion zur Quelle von Gewalt werde, unterstrich der Dalai Lama. Viele Beispiele in der Welt zeigten, dass es möglich sei, anderen Religionen Respekt entgegenzubringen und gleichzeitig den eigenen Glauben zu bewahren, so der Dalai Lama: „Multireligiöse Gemeinschaften, die in Frieden zusammenleben, sind möglich, und wir sollten uns darum bemühen.“ Trotz aller Unterschiedlichkeit von Religionen verfolgten alle das gleiche Ziel, nämlich positive Eigenschaften der Menschen wie Nächstenliebe, Toleranz und Mitgefühl zu stärken.

ISSN 2222-2464