Miklas: Religiöse Bildung gegen Fundamentalismus

Religiöse Bildung hilft gegen Fundamentalismus, war der Tenor des Pressegesprächs zum Jahr der Bildung in Graz. v.l.: Superintendent Hermann Miklas, Fachinspektor Ali Kurtgöz, Bischof Michael Bünker und Fachinspektor Heinz Liebeg. Foto: H.Rachl
Religiöse Bildung hilft gegen Fundamentalismus, war der Tenor des Pressegesprächs zum Jahr der Bildung in Graz. v.l.: Superintendent Hermann Miklas, Fachinspektor Ali Kurtgöz, Bischof Michael Bünker und Fachinspektor Heinz Liebeg. Foto: H.Rachl

Bünker: Bildungsgerechtigkeit durch Inklusion

Graz (epdÖ) – „Fragen gehören zum Glauben, nur wer Fragen stellt, wird vor Fundamentalismus bewahrt“, ist der Superintendent der Evangelischen Kirche in der Steiermark, Hermann Miklas, überzeugt. Bei einem Pressegespräch am Mittwoch, 11. Februar, in Graz, strich Miklas gerade die religiöse Bildung als Mittel gegen Fundamentalismus heraus. Auch Antworten, die man schon gefunden habe, müssten immer wieder kritisch reflektiert werden. „Wir brauchen einen neuen Umgang mit Religion in der Welt“, meinte der Superintendent weiter, die Tabuisierung der Religion, das Verdrängen aus dem öffentlichen Raum, führe nur dazu, dass religiöse Informationen „aus obskuren Quellen“ bezogen werden.

Im Jahr der Bildung 2015 will die Evangelische Kirche auch bei Erwachsenen die „Sprachfähigkeit über Glaubensdinge“ intensivieren, sagte Miklas. Mit der gesamtösterreichischen Aktion „Tauftropfen“ werden zum Beispiel Taufeltern angesprochen. Ziel sei, Kinder kompetent über Glauben informieren zu können, denn „Kinder brauchen die Muttersprache des Glaubens“, dafür brauche es zuerst die Schule der Eltern und später den Religionsunterricht an der Schule.

Mehr Bildungsgerechtigkeit forderte der Bischof der Evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich, Michael Bünker. Die Evangelischen Kirchen, so der Bischof, treten für ein Bildungssystem ein, das dem Leitbild der Inklusion verpflichtet sei. Bildungseinrichtungen sollten daran gemessen werden, ob sie in der Lage seien, allen Kindern und Jugendlichen entsprechend ihren jeweiligen Gaben differenziert gerecht zu werden. Denn immer noch entscheide soziale Herkunft über den Bildungserfolg, kritisierte der Bischof. Evangelischer Glaube ohne Bildung sei undenkbar. Bildung umfasse mehr als die Vermittlung von Fähigkeiten. „Bildung meint den ganzen Menschen, es geht immer auch um Herzensbildung“, erklärte der Bischof. Dazu leiste der Religionsunterricht einen wesentlichen Beitrag.

Neue Studie über evangelischen Religionsunterricht

Diesem stellte der Fachinspektor für evangelischen Religionsunterricht an Höheren Schulen in der Steiermark, Heinz Liebeg, ein positives Zeugnis aus. Liebeg berichtete von einer aktuellen Studie, die im Zuge einer Diplomarbeit den Beitrag des evangelischen Religionsunterrichts hinsichtlich der Horizonterweiterung gegenüber anderen Religionen untersuchte. Eine deutliche Mehrheit der befragten Schülerinnen und Schüler ist demnach der Meinung, „im Religionsunterricht etwas zu lernen, das im Leben gebraucht wird“. Das Ergebnis der Untersuchung zeige auch eine hohe Akzeptanz gegenüber anderen Religionen und Kulturen.

Der Fachinspektor für den Islamischen Religionsunterricht, Ali Kurtgöz, betonte bei dem Pressegespräch, dass bereits im Koran der Respekt vor anderen Religionen ausgedrückt werde. Angesichts der aktuellen Herausforderungen in der Integrationsthematik plädierte Kurtgöz für mehr Zeit: „Wenn etwa schwer traumatisierte tschetschenische Familien nach Österreich kommen, kann Integration nicht von heute auf morgen erfolgen.“ Gerade in der Aus- und Fortbildung islamischer Religionslehrer sei in den letzten Jahren „viel passiert“, so der Fachinspektor. Ebenso gebe es einen „guten interreligiösen Austausch“ zwischen den Lehrerinnen und Lehrern.

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ISSN 2222-2464