Miklas: Physische Gewalt wurzelt in verbalen Hetzparolen

Nach dem Sprengstoffanschlag vor einem Asylheim in Graz ruft der steirische Superintendent zu einer „Deeskalation der Worte“ im Wahlkampf auf

Graz (epd Ö) – „Eine bestimmte Meinung zu vertreten ist eines – Tätlichkeiten gegen konkrete Menschen zu verüben aber etwas anderes, unter keinen Umständen mehr Tolerierbares“, sagt der evangelisch-lutherische Superintendent Hermann Miklas nach dem Sprengstoffanschlag auf ein Asylheim der Caritas in Graz. Physische Gewalt habe meist ihre Wurzel in verbalen Hetzparolen, ein Zusammenhang, auf den Jesus Christus immer wieder hingewiesen habe. „In diesem Sinn ruft die Evangelische Kirche in der Steiermark dringend zu einer Deeskalation der Worte im steirischen Wahlkampf auf“, so der Superintendent.

 

In einer Aussendung schließt sich Miklas „vollinhaltlich“ der Stellungnahme des MigrantInnen-Beirates der Stadt Graz zum Sprengstoffanschlag an. Darin wird der Anschlag als „Eskalation in der hetzerisch geführten Auseinandersetzung um Asyl und Zuwanderung“ verurteilt. „Wer kann einen Nutzen davon haben, Menschen in der Nacht aus dem Schlaf zu reißen, sie in Angst und Schrecken zu versetzen bzw. zu verletzen?“, fragt der MigrantInnenbeirat und kritisiert die „hetzerische“ Wahlwerbung, die Menschen gegeneinander aufgebracht und Feindbilder geschaffen habe. „Für diese Stimmung im Land sind nicht nur die FPÖ und das BZÖ verantwortlich, sondern auch jene politischen Parteien, die indirekt dem Fremdenhass durch ihr passives Verhalten bzw. zustimmendes Schweigen Vorschub leisten“, heißt es weiter in der Stellungnahme.

 

AsylwerberInnen und MigrantInnen für eigene Stimmenmaximierung zu missbrauchen, sie als Menschen zweiter Klasse in der Öffentlichkeit zu degradieren und ihnen pauschal Kriminalität und Integrationsunwilligkeit vorzuwerfen, schaffe den Nährboden für solche Anschläge. Der Beirat appelliert an die Verantwortlichen in der Politik, durch konkretes Handeln „den Hetzern und Zündlern das Handwerk zu legen“. Das Zusammenleben in einer Gesellschaft, die von Vielfalt geprägt ist, erfordere gegenseitigen Respekt, aber auch gezielte Maßnahmen für ein besseres Miteinander.

ISSN 2222-2464