Miklas: Mystik und Würde statt Assinger-Plagiat

Steirische Superintendentialversammlung tagte in Judenburg

Judenburg (epd Ö) – „Wir wollen und müssen uns als Kirche heute um jeden einzelnen Menschen bemühen. Aber wir müssen auch die Geduld aufbringen für den individuellen Weg Gottes mit jeder und jedem Einzelnen. Es geht primär ja nicht darum, Menschen für den Eintritt in eine Institution zu ködern, sondern darum, in Menschen den Glauben zu wecken.“ Das erklärte Superintendent Mag. Hermann Miklas in seinem Bericht vor der steirischen Superintendentialversammlung am 12. März in Judenburg.

„Junge Menschen machen in aller Regel heute punktuell durchaus gute Erfahrungen mit unserer Kirche.“ Allerdings gelinge es nur schwer, diese positiven Beziehungen später auf die Institution Kirche zu übertragen.

Genauer untersuchen möchte Miklas die Altersverteilung der Austritte und die wesentlichen Gründe. Da die Mobilität der Menschen drastisch zunehme, werde es entscheidend darauf ankommen, „ob und wie es uns gelingt, auf Neu-Zugezogene aktiv zuzugehen“. Gute schriftliche Einladungen seien wichtig, könnten aber die Schwellenangst nicht überwinden. Dies gelinge nur im persönlichen Kontakt. Miklas: „Wir selber – also die praktizierenden ChristInnen unserer Gemeinden – wir selber müssen davon überzeugt sein, dass die Gottesdienste und Angebote unserer Kirche den Menschen etwas geben, und auch außerhalb der Kirche darüber reden!“

Unverwechselbare Atmosphäre evangelischer Gottesdienste

Der Superintendent plädierte dafür, „die unverwechselbare Atmosphäre von evangelischen Gottesdiensten“ nicht zu unterschätzen. „Wir brauchen nicht krampfhaft alle möglichen stilistischen Modetrends zu kopieren, um attraktiv zu sein“, meinte Miklas. „Menschen erwarten sich von einem Gottesdienst kein christliches Armin-Assinger-Plagiat, sondern eine gewisse Mystik und eine gewisse Würde.“

Das Potenzial von Menschen, die bereit wären, sich in irgendeiner Organisation ehrenamtlich zu engagieren, sei relativ groß. „Aber es muss für sie auch wirklich passen“, unterstrich Miklas. „Wer sich anbietet, um mit alten Leuten Schach zu spielen, lässt sich nicht einfach umprogrammieren auf Adress-Pickerl-Kleben für die Gemeindezeitung.“ In der Sorge um die Zahlen dürfe nicht vergessen werden, dass die gremiale Arbeit nur dienende und nicht herrschende Funktion habe. Entscheidend seien oft „die kleinen Akzente“, wie Kirche erlebt werde.

Neue Service-Stelle

Nach langer und kontroversieller Diskussion unter der Leitung von Superintendentialkuratorin Evi Lintner stimmten die Delegierten mehrheitlich der Errichtung einer „Service-Stelle“ an der Superintendentur zu. Damit sollen Pfarrgemeinden und andere kirchliche Institutionen in organisatorischen Fragen beraten und unterstützt werden. Diese Service-Stelle ersetzt ein ursprünglich angedachtes Competence-Center, das weiterreichende Kompetenzen gehabt hätte.

Landeskirchenkurator Leopold Kunrath, der als Vertreter des Oberkirchenrates an der Versammlung teilgenommen hat, hob in seinem Grußwort die Bedeutung des Gedenkjahres 2005 für die Evangelische Kirche in Österreich hervor. Die Superintendentialversammlung gedachte auch des verstorbenen Kantors der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Richard Ames.

ISSN 2222-2464