Miklas: Menschenverachtende Haltungen sind keine Kavaliersdelikte

Gedenkstätte des ehemaligen KZ Mauthausen in Aflenz eröffnet

Aflenz (epd Ö) – „Nie hätten wir es für möglich gehalten, dass einmal eine Generation heranwachsen würde, in der sich manche heute ebenso stark gegen das verordnete Erinnern auflehnen wie wir uns einst gegen das gelebte Vergessen aufgelehnt haben“, sagte der steirische Superintendent Hermann Miklas bei der Eröffnung des alten Wächterhauses der ehemaligen KZ-Außenstelle Mauthausen am 28. Juni in Aflenz im Sulmtal. „Darauf waren wir nicht vorbereitet.“ Erst ganz allmählich setze sich die Erkenntnis durch, „dass wir heute wohl andere Formen des Gedenkens brauchen als bisher“. Nach wie vor gelte es, das Vergessene sichtbar zu machen, so wie es mit diesem öffentlichen Denkzeichen „in eindrucksvoller Weise“ geschehen sei. An die Stelle des selbstzufrieden erhobenen Zeigefingers gegenüber der Vergangenheit müsse heute viel stärker die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Gegenwart treten: „Wo gibt es in unserer heutigen Gesellschaft Strukturen, wo gibt es in unserer eigenen Verhaltensweise Muster, die das Recht von Menschen neuerlich mit Füßen treten?“

Erhöhte Wachsamkeit ist geboten

Es sei eine „erhöhte Wachsamkeit dringend geboten“, diese Notwendigkeit des Wachsamseins werde mit dem Projekt Wächterhaus „öffentlich sichtbar gemacht. Lassen wir uns von diesem Denkzeichen daran erinnern: Menschenverachtende Haltungen sind keine Kavaliersdelikte.“ Grußworte sprachen bei der Eröffnung unter anderen Albert Langanke, der Generalsekretär des Internationalen Mauthausenkomitees, und der steirische Landesrat Kurt Flecker. An dem ökumenischen Gedenken waren neben Miklas der Kantor der Israelitischen Kultusgemeinde Graz, Avshalom Eliassie, der Direktor des römisch-katholischen Bildungshauses Seggau, Diakon Hans Ranzund, und der russisch-orthodoxe Pfarrer Arseny Chernikin beteiligt.

ISSN 2222-2464