Miklas: Gegenseitiges Verstehen statt Provinzialismus

Ökumenischer Gottesdienst am Nationalfeiertag im Grazer Dom

Graz, 2. November 2005 (epd Ö) – Das gegenseitige Verstehen über Gräben und Grenzen hinweg zu suchen und dem Kleingeist des Provinzialismus zu wehren – dazu hat der steirische Superintendent Mag. Hermann Miklas aufgerufen. Bei einem ökumenischen Gottesdienst am Nationalfeiertag im Grazer Dom warnte Miklas vor Nationalismen und Fundamentalismen, die dort entstehen, wo für die eigene Identität zu wenig Raum bleibe. Die Zuwendung zum Du könne nur dort gelingen, wo auch das Ich klar definiert sei. Gelingende Kommunikation brauche das ausdrückliche „Sich-Mühen von beiden Seiten“, sagte der Superintendent in dem Gottesdienst, zu dem das Ökumenische Forum christlicher Kirchen in der Steiermark zum Abschluss des Gedenkjahres 2005 geladen hatte. Echte innere Kraft nähre sich aus der Gewissheit, in Gottes Liebe geborgen zu sein. Notwendig sei beides: das Ja zum bunten Pluralismus, ein fröhlicher Wettbewerb verschiedener Interessen und sogar Stolz auf das je Eigene genauso wie das Bewusstsein „Zukunft gestalten können wir immer nur gemeinsam“. Das Miteinander unter Wahrung der Würde des Anderen sei eine heikle Balance, aber die „einzig tragfähige“, unterstrich der Superintendent in seiner Predigt, die er gemeinsam mit dem römisch-katholischen Diözesanbischof Dr. Egon Kapellari hielt.

Christen sind berufen, im täglichen Versuch zur Nachfolge Christi „den Dienst der Fußwaschung an der Gesellschaft zu tun und manchmal auch den Dienst der Kopfwaschung als prophetische Schelte inhumaner Strukturen und Verhaltensweisen“, erklärte Kapellari. Im Einsatz für christliche Werte wie soziale Gerechtigkeit, Schutz menschlichen Lebens, Kinderfreundlichkeit oder den Schutz der Umwelt brauche es Allianzen aller wirklich demokratischen Kräfte.

Im Gottesdienst trugen die Liturgen und TeilnehmerInnen Schals, auf denen das Wort „Friede“ neben Deutsch, Hebräisch, Englisch und Französisch in allen Sprachen des südosteuropäischen Raumes aufgedruckt war. Die Fürbitte wurde nach orthodoxer Liturgie vorgetragen. Ein Grußwort sprach der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde in Graz, Gérard Sonnenschein.

ISSN 2222-2464