Miklas: Fairer Dialog schließt Provokation aus

Interreligiöse Stellungnahmen zum Karikaturen-Konflikt

Graz (epd Ö) – „Ein fair geführter Dialog schließt die Provokation bzw. die Verletzung religiöser Gefühle von Dialogpartnern prinzipiell aus.“ Das erklärte der steirische Superintendent Mag. Hermann Miklas in einer aktuellen Stellungnahme. Zu verurteilen seien absichtliche Provokation und Verletzung religiöser Gefühle, so der Superintendent, der angesichts der unterschiedlichen Wahrnehmung in den verschiedenen Kulturen „erhöhte Sensiblität“ einfordert.

Die Evangelische Kirche bekenne sich zum freiwillen Verzicht auf jene „Freiheiten, die andere verletzen können“. Miklas appelliert „an alle Menschen guten Willens, sich wo irgend möglich einer solchen Haltung des freiwilligen Verzichts anzuschließen“. Wo ein religiöser Konflikt bereits entstanden ist, sollten alle Möglichkeiten des friedlichen Dialogs ausgeschöpft werden. Die „Partner im interreligiösen Dialog“ ersucht Miklas, „sich ebenso nachhaltig“ für eine Deeskalation einzusetzen. Es gehöre zum Wesen der meisten Religionen, dass die eigenen Glaubensinhalte als „wahrer“ angesehen werden. Dennoch sei eine Begegnung nur „auf gleicher Augenhöhe“ möglich.

Der interreligiöse Beirat der Stadt Graz hatte am 10. Februar vor einer friedlichen Demonstration von Muslimen in der Innenstadt festgehalten, dass „Religionsfreiheit und der Schutz religiöser Gefühle“ wesentliche Bestandteile des europäischen Wertesystems seien. Kritik an Religionsgemeinschaften dürfe in Europa „selbstverständlich“ auch Anlass zu Diskussionen geben. Das „Lächerlichmachen“ einer Religion habe jedoch nichts mit differenzierter Kritik zu tun. Die Veröffentlichung der Karikaturen sei daher abzulehnen. Entschieden wendet sich der Beirat gegen Gewaltanwendung, die in den Demonstrationen deutlich werde. Der Schutz des menschlichen Lebens müsse für alle Religionsgemeinschaften „oberste Priorität“ haben, fordert der Beirat, dem die Römisch-katholische, die Evangelische, die Methodistische, die Altkatholische und die Orthodoxe Kirche sowie die Islamische Religionsgemeinschaft, die Israelitische Kultusgemeinde und das Buddhistische Forum angehören.

Solidarität mit friedliebenden Muslimen

In Wien hat sich am Montag, 13. Februar, die „Plattform für interreligiöse Begegnung“ (PFIRB) in einer Aussendung mit „jener großen Mehrheit von friedliebenden MuslimInnen“ solidarisch erklärt, die ihre Empörung über den mangelnden Respekt gegenüber ihren religiösen Gefühlen auf friedlichem Weg ausdrücken. Abgelehnt werden gewalttätige Proteste ebenso wie „politische Instrumentalisierung entstandener Emotionen“. Die Plattform appelliert an Verantwortungsträger in Politik und Medien, den Stimmen der Mäßigung“ vermehrt Gehör zu verschaffen. Freiheit setze ein „hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein“ voraus, schreibt das interreligiöse Personenkomitee, dem um den evangelischen Pfarrer von Wien-Gumpendorf, Erwin Neumann, autorisierte Vertreter der großen Weltreligionen angehören.

Auch in Innsbruck haben Christen und Muslime am Donnerstag, 9. Februar, zu einer die Religionen verbindenden Kundgebung eingeladen. Die Kundgebung am Franziskanerplatz stand unter dem Motto „Meinungsfreiheit ohne Herabsetzung von Religion und Menschen“. Die Teilnehmer sprachen sich für ein friedliches Zusammenleben ohne Provokation aus.

Am Freitagnachmittag, 17. Februar, findet unter dem Motto „Mensch ist Mensch“ ein interreligiöses Treffen und Gebet in St. Pölten statt.

ISSN 2222-2464