Miklas: Differenzen offen beim Namen nennen

Im Vorfeld des Buddhistentreffens in Graz fordert der steirische Superintendent gegenseitigen Respekt – Kein Platz für persönliche Verunglimpfungen

Graz, 26. Juni 2002 (epd Ö) Eine Gesprächskultur, die „von gegenseitigem Respekt“ getragen ist, hat der steirische Superintendent, Mag. Hermann Miklas, gefordert. Im Vorfeld des großen Buddhistentreffens vom 11. bis 23. Oktober in der steirischen Landeshauptstadt spricht sich Miklas für wechselseitige Information und Begegnung aus. Der interreligiöse Dialog lebe davon, „dass man die gegenseitigen Differenzen nicht heimlich unter den Tisch kehrt, sondern offen beim Namen nennt“.

Strikt abgelehnt werden vom Superintendenten persönliche Untergriffe. Miklas: „Persönliche Verunglimpfungen jeglicher Art haben im interreligiösen Dialog keinen Platz und werden von der Evangelischen Kirche entschieden abgelehnt. Auch wenn wir verschiedene Glaubensinhalte haben, gestehen wir anderen zu, dass sie in gleicher Weise von einem tiefen religiösen Anliegen bestimmt sind wie wir selbst.“

Miklas reagiert damit auf eine Briefaktion „frommer Christen, darunter auch einige Evangelische“, so der Superintendent, in der aus dem Kreis der Evangelische Allianz vor der Gefahr einer Religionsvermischung gewarnt und dabei dem Dalai Lama persönliche Unlauterkeit unterstellt wurde. Wer zum Mittel der persönlichen Diffamierung Andersgläubiger greife, sollte wissen, dass sich dieser Spieß sehr schnell gegen ihn selber richten kann“, warnt Miklas im Editorial der neuen Ausgabe der steirischen Diözesanzeitschrift „evang.st“, die in der nächsten Woche erscheint.

Gemeinsame ökumenische Linie

Den Dalai Lama bezeichnet Miklas als „außergewöhnliche Persönlichkeit mit großem Charisma“. Seine weltweiten Friedensinitiativen seien „beachtenswert“ und verdienten Respekt. In seinen konkreten politischen Äußerungen muss er allerdings ebenso hinterfragbar bleiben, wie dies für die politischen Positionen jedes anderen Religionsführers selbstverständlich sei. Dass sich der Dalai Lama 1998 etwa öffentlich für die atomare Aufrüstung Indiens eingesetzt habe, erscheine „zumindest diskussionsbedürftig“.

Miklas erinnert in seiner Stellungnahme an die gemeinsame Linie der christlichen Kirchen in der Steiermark, die den Dialog mit dem Dalai Lama befürworte, gemeinsame religiöse Handlungen jedoch ablehne. Strukturell könne der Buddhismus nicht mit dem Christentum verglichen werden. Da es sich bei der Kalachakra, einem buddhistischen Initiationsritual, das im Mittelpunkt des Grazer Treffens steht, um ein „quasi-sakramentales“ Geschehen handle, bestehe für Christen eine „gewisse Unvereinbarkeit“. Miklas: „Vermutlich würde sich ein Buddhist umgekehrt ja auch nicht taufen lassen.“ Die Faszination fernöstlicher Religionen auf die westliche Gesellschaft wertet der Superintendent als „ernste Anfrage an uns selbst“, ob spirituellen Bedürfnissen bisher zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt worden sei.

ISSN 2222-2464