Miklas: Bei Migration nicht einfach „nur so weiterwursteln“

Steirische Superintendentialversammlung tagte in Knittelfeld

Knittelfeld (epd Ö) – Einen Blick auf die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen in der Steiermark hat Superintendent Hermann Miklas in seinem Bericht auf der steirischen Superintendentialversammlung am 9. Oktober in Knittelfeld geworfen. „Es ist uns in der Krise der Römisch-katholischen Kirche in den vergangenen Monaten insgesamt etwas Gutes gelungen: Wir sind glücklicherweise nicht der Versuchung erlegen, die Schwäche unserer Schwesterkirche auszunützen.“ Gerade das aber sei von der Öffentlichkeit registriert und honoriert worden, „besonders natürlich auch von römisch-katholischer Seite“. Dort, wo es vermehrt zu Eintritten in die Evangelische Kirche gekommen sei, „geschah das in der Regel nicht in spontanen Gefühlswallungen aus purem Frust, vielmehr ist dem eine gründliche Auseinandersetzung mit Glaubensinhalten vorangegangen“. Das entspreche dem evangelischen Selbstverständnis und stelle einen „fairen Stil dar und ist insgesamt ein gutes Zeichen“.

 

Miklas konstatierte eine „zunehmend aufgeheizte Stimmung in unserem Land, insbesondere gegenüber Muslimen“. Hier bestehe dringender Handlungsbedarf: „Einfach nur so weiterwursteln – ohne gezielte Maßnahmen zur Integration – wird nicht mehr länger gehen.“ Dazu brauche es aber keine Hetzparolen, sondern eine seriöse Diskussion und zielorientierte Vorschläge. „Natürlich müssen wir von unseren MitbürgerInnen mit Migrationshintergrund die größtmögliche Bereitschaft zur Eingliederung in unsere Gesellschaft erwarten – und viele von ihnen, wenn auch nicht alle, sind dazu sehr wohl bereit. Aber ebenso müssen auch wir ÖsterreicherInnen dazu stehen und den Fremden eine Chance geben, sich in unsere Gesellschaft überhaupt integrieren zu können.“ Als „lobenswert“ bezeichnete Miklas die Aktion von zwei Pfarrgemeinden in der Steiermark, die den Kontakt zu ihrer muslimischen Nachbargemeinde gesucht haben durch Besuch und Gegenbesuch: „Ich gratuliere zu dieser Initiative und möchte andere ebenfalls dazu ermutigen.“

 

„Evangelisch evangelisieren“ will zum Glauben einladen

 

Ein Schwerpunkt der Superintendentialversammlung war das Projekt „evangelisch evangelisieren“, das Miklas für „keine gelungene Wortschöpfung“ hält. Es handle sich dabei um eine bereits etablierte „Marke“ im europäischen Protestantismus, bei der es darum gehe, den grundsätzlich allen Christen geltenden Auftrag zur Evangelisierung auf evangelisch-theologisch verantwortliche Weise zu tun, „nämlich ganz seriös und ohne jeden Druck, einfach einladend“. Miklas: „Um ja kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Hier geht es nicht um das Thema Mitglieder-Werbung!“ Ziel sei es, bei Menschen überhaupt wieder Interesse für den Glauben zu wecken. „Dafür braucht es in unserer Gesellschaft heute in der Tat ganz neue Mittel und Wege. Denn die traditionellen Wege wie etwa die Vermittlung des Glaubens im Elternhaus und in der Familie, die Begegnung mit dem Evangelium im Kindergottesdienst und im Religionsunterricht, der Kirchenbesuch am Sonntagvormittag haben weithin ihre Prägekraft verloren.“ Die Frage sei, wie es gelingen kann, aus dem „Kokon des Eingesponnenseins in unsere eigene religiöse Welt herauszutreten – und wirklich in Kontakt zu kommen mit Menschen, die auf Grund ihrer Biographie ganz anders ticken als wir selbst.“

ISSN 2222-2464