Migration: Suche nach gemeinsamer Identität wichtig

Lidija Kuzmanovic, Alev Korun, Ursula Baatz (Moderation) und Manuela Kalsky (v.l.n.r.) diskutierten über "Konzepte eines neuen Wir" im Wiener Albert Schweitzer Haus. Lidija Kuzmanovic, Alev Korun, Ursula Baatz (Moderation) und Manuela Kalsky (v.l.n.r.) diskutierten über "Konzepte eines neuen Wir" im Wiener Albert Schweitzer Haus.
Lidija Kuzmanovic, Alev Korun, Ursula Baatz (Moderation) und Manuela Kalsky (v.l.n.r.) diskutierten über "Konzepte eines neuen Wir" im Wiener Albert Schweitzer Haus. Lidija Kuzmanovic, Alev Korun, Ursula Baatz (Moderation) und Manuela Kalsky (v.l.n.r.) diskutierten über "Konzepte eines neuen Wir" im Wiener Albert Schweitzer Haus.

Diskussion über das Zusammenleben von Einwanderern und Einheimischen

Wien (epdÖ) – Über „Konzepte eines neuen Wir“ diskutierten am Mittwoch, 21. September, Vertreterinnen aus dem Bereich der Politik, Sozialarbeit und Wissenschaft im Wiener Albert Schweitzer Haus.

„Wir brauchen neue Identitäten, die müssen wir gemeinsam aufbauen. Das muss man aber von unten machen, es kann nicht von oben angeschafft werden“, sagte Nationalratsabgeordnete Alev Korun in ihrem Statement. Migration würden beide Seiten als Verlust erfahren, Zuwanderer wie alteingesessene ÖsterreicherInnen. Einheimische, die schon länger in ihrem Viertel wohnen, würden das Auftreten von Menschen mit anderer Hautfarbe, anderer Kleidung oder etwa anderer Religion als Verlust des eigenen Zuhauses erfahren. MigrantInnen wiederum verlassen ihre Heimat um an einen Ort zu kommen, an dem sie nicht erwünscht seien. „Der Hauptfehler in den 1960er Jahren war es, zu glauben, dass es sich bei den eingewanderten AusländerInnen um GastarbeiterInnen handeln würde. Dadurch hat man sich auch nicht mit ihnen auseinandergesetzt, was sich später gerächt hat“, so Korun. „Unsere NachbarInnen sehen anders aus, haben eine andere Religion und Kultur.“ Dies sei eine Realität, die es zu akzeptieren gelte, denn diese Menschen würden in unserem Land bleiben. Ziel müsse es sein, Gleichberechtigung in der Gesellschaft zu erreichen.

Von Schwierigkeiten zwischen alteingesessenen ÖsterreicherInnen und Zuwanderern, aber auch von positiven Erlebnissen wusste Lidija Kuzmanovic zu berichten. Sie ist Mitarbeiterin von Wohnpartner, einer Service-Einrichtung der Stadt Wien, die Zusammenleben und Miteinander im Gemeindebau verbessern will. Viele Konflikte zwischen den BewohnerInnen seien in erster Linie Generationenkonflikte und wären weniger auf Migrationsschwierigkeiten zurückzuführen. Aus ihrer Erfahrung weiß Kuzmanovic, dass sich neue MieterInnen mit Migrationshintergrund sehr bemühen. Viele ungeschriebene Gesetze im Gemeindebau seien ihnen jedoch unbekannt. Hier setze das Projekt Wohnpartner an. Vermittelt werden ältere MieterInnen, die die neu zugezogenen Menschen beraten und ihnen helfen sollen, sich in ihrem neuen Wohnhaus einzuleben. „Neue MieterInnen werden durch dieses Ritual sofort in die Gemeinschaft aufgenommen und dadurch vorbereitet auf ihr neues Leben“, so Kuzmanovic.

Die politische Situation in den Niederlanden sei heute schwierig, berichtete Manuela Kalsky vom Dominikanischen Studienzentrum für Theologie und Gesellschaft in Nijmegen (Niederlande). Das einst so liberale Land sei immer stärker geprägt vom Gegensatz neuer und alteingesessener Holländer. „Der Mord an dem Regisseur Theo van Gogh schockierte das ganze Land und führte zu einer Veränderung des Klimas“, so Kalsky. Van Gogh wurde 2004 von einem muslimischen Fundamentalisten in Amsterdam auf offener Straße getötet, nachdem sein islamkritischer Film „Submission“ ausgestrahlt worden war. Seitdem würden Sündenböcke gesucht, meistens seien es die Muslime. Seit einigen Jahren beschäftige sie sich bereits mit der Frage, wie ein „neues Wir“ in den Niederlanden entwickelt werden könnte. Seit 2008 gäbe es in diesem Bereich eine intensive Zusammenarbeit mit dem Ministerium für Integration.

Einig waren sich alle drei Diskutantinnen beim Thema Sprache. Die Landessprache zu beherrschen sei wichtig, um „sich im neuen Heimatland wohlzufühlen“, ist Kalsky überzeugt.

Die Diskussion, moderiert von Ursula Baatz (ORF), fand im Rahmen des Studiengangs EPIL (European Project for Interreligious Studies) statt. Der Lehrgang ist als Reise-Kolleg organisiert und macht von 18. bis zum 25. September in Wien Station. Er richtet sich an Frauen und will den Teilnehmerinnen ein Verständnis von kultureller und religiöser Diversität vermitteln sowie zum Aufbau von gleichwertigen, friedlichen Gesellschaften beitragen.

Nähere Informationen unter www.epil.ch

ISSN 2222-2464