Menschenrechtspreis für Toleranzgespräche Fresach und Verein MENA

Landeshauptmann Peter Kaiser überreicht Superintendent Manfred Sauer den Menschenrechtspreis. Foto: LPD/Peter Just
Landeshauptmann Peter Kaiser überreicht Superintendent Manfred Sauer den Menschenrechtspreis. Foto: LPD/Peter Just

Sauer: „Unterschiede als Bereicherung begreifen“

Klagenfurt (epdÖ ) – Mit dem Kärntner Menschenrechtspreis 2017 sind am Samstag, 9. Dezember, der hinter den Europäischen Toleranzgesprächen stehende „Denk.Raum.Fresach“ und der Verein „MENA – MEnschenNAh“ ausgezeichnet worden. Mit den jährlichen Toleranzgesprächen hat der „Denk.Raum.Fresach“ 2015 begonnen, das Kärntner Bergdorf als europäisches Dialogforum für Toleranz zu positionieren. Der Verein MENA wiederum bietet einsamen Personen aller Altersgruppen sowie Menschen ohne Lobby oder sozialen Rückhalt unterschiedliche Hilfestellungen an.

„Der Kampf für die Menschenrechte hat in den 24 Jahren, in denen es diese Auszeichnung nun schon gibt, nichts an Aktualität verloren“, sagte Landeshauptmann Peter Kaiser in seiner Festrede. Es stimme ihn nachdenklich, dass die Willkommenskultur zunehmend negativ besetzt werde. „Da bedarf es nicht nur weiterer Aufklärung, sondern vor allem Arbeit an sich selbst“, betonte der Landeshauptmann. Der Kampf um die Menschenrechte sei allgegenwärtig, und es mache Mut, zu sehen, dass man in dieser Auseinandersetzung nicht alleine sei.

„Der Menschenrechtspreis gibt uns enormen Rückenwind und kreative Kraft, den begonnenen Weg mutig fortzusetzen“, erklärte der evangelische Superintendent Manfred Sauer. Zu einem vereinten Europa, in dem die Menschenrechte gelebt und soziale Gerechtigkeit praktiziert würden, sei es noch ein „langer, mühsamer und steiniger Weg“. Brexit, der spürbare Rechtsruck in Europa, „größenwahnsinnige Führergestalten“, Krieg, Flucht und religiös motivierter Extremismus und Terrorismus erzeugten ein Klima der Angst und Unsicherheit. Als Reaktion würden Grenzen dichtgemacht und Überwachungskameras angebracht. „Alte, längst überwunden geglaubte Ängste und Vorurteile kommen wieder zum Vorschein“, so der Superintendent. Diese würden medial bedient und politisch instrumentalisiert. Hier nicht tatenlos zuzuschauen, sondern „sich den Ängsten und Vorurteilen zu stellen“ und dabei „aufklären, hinterfragen, in einen Dialog treten, kontrovers diskutieren und immer wieder neue Wege und alternative Möglichkeiten ausloten“, war, wie Sauer meinte, „Motiv und Triebfeder“ für die Europäischen Toleranzgespräche in Fresach. Sie stehen für „praktizierte Toleranz, in der es nicht um Duldung, sondern um Auseinandersetzung, Vielfalt und auch Kontroversen geht mit dem Ziel, einander besser zu verstehen und dahin zu kommen, dass wir Unterschiede nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung begreifen lernen“.

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ISSN 2222-2464