Martin-Luther-Kirche in Hainburg feierlich eingeweiht

Freude über den gelungenen Kirchenbau: (v.l.) Adolf Reichel, Bischof Michael Bünker, Architekt Wolf D. Prix, Landeshauptmann Erwin Pröll, Superintendent Paul Weiland, Superintendentialkuratorin Erna Moder, Pfarrer László László und Generalbischof Milos Klátik. Foto: NLK Johann Pfeiffer
Freude über den gelungenen Kirchenbau: (v.l.) Adolf Reichel, Bischof Michael Bünker, Architekt Wolf D. Prix, Landeshauptmann Erwin Pröll, Superintendent Paul Weiland, Superintendentialkuratorin Erna Moder, Pfarrer László László und Generalbischof Milos Klátik. Foto: NLK Johann Pfeiffer

Architekt Wolf D. Prix: „Wichtigstes Projekt“ – Weiland: „Sichtbares Zeichen des Miteinanders“

Hainburg (epd Ö) – Mit einem feierlichen Gottesdienst ist am Samstag, 30. April, die neue Martin-Luther-Kirche in Hainburg an der Donau eingeweiht worden. Nach nur neunmonatiger Bauzeit konnte das von Architekt Wolf D. Prix (COOP HIMMELB(L)AU) kostenlos geplante Gebäude seiner Bestimmung übergeben werden.

Der niederösterreichische Superintendent Paul Weiland bezeichnete die Kirche als „sichtbares Symbol der Versöhnung, der Toleranz und des Miteinanders“. Wo der Bau nun errichtet wurde, stand einst die mittelalterliche St. Martinskirche, in der evangelische Gottesdienste abgehalten wurden. Zudem war das Datum der Einweihung bewusst gewählt: Auf den Tag genau vor 1700 Jahren hatte Kaiser Galerius im Edikt von Nikomedia erstmals die Duldung der Christen ausgesprochen. Erste Vorgespräche fanden dazu drei Jahre zuvor im Rahmen der Kaiserkonferenz in Carnuntum statt, nur wenige Kilometer von Hainburg entfernt.

Die Kirche, so Weiland, sei mit ihren drei „trinitarischen Lichtöffnungen“ ein einladender Ort der Stille, der zugleich „künstlerisch und architektonisch eindrucksvoll“ sei. Ebenso verstehe er das Bauprojekt auch als „Wunder aus dem Glauben, dem alles möglich ist“. Gemeinsam mit Bischof Michael Bünker, der im Festgottesdienst predigte, dankte Weiland allen, die mit ihrem hohen, oft ehrenamtlichen Engagement, zum Gelingen des Kirchenbaus beigetragen haben.

„An dieser Kirche wird anschaulich, dass persönlicher Glaube an die Öffentlichkeit drängt“, sagte Bischof Bünker in seiner Predigt. Die drei Öffnungen am Dach der Kirche symbolisierten, dass sich „der Glaube in der Welt als Kraft Gottes erweist“. Bünker erinnerte an mehrere innovative Projekte des evangelischen Kirchenbaus, zuletzt die Warlamis-Kirche im niederösterreichischen Waidhofen an der Thaya. Evangelische Kirchen, so Bünker wörtlich, „sollen schön sein, weil Gottes Ja zu dir dich schön macht“.

Auch wenn es unter den derzeitigen Projekten zwischen Dänemark und China mit 300 Quadratmetern sein kleinstes ist, ist es ihm zum „wichtigsten“ geworden, sagte der aus Hainburg stammende Architekt Wolf D. Prix bei der Einweihung. „Besondere Motivation“ sah er in der Herausforderung, „einen Ort der Ruhe und Konzentration für eine Gemeinschaft“ zu bauen. Dass architektonische Elemente wie die drei Lichtöffnungen oder der Andachtsraum in Form eines Tisches theologisch interpretiert würden, versteht Prix als „bewusste Zufälle“.

Als ein „Symbol für die Ökumene und das lebendige Christentum“ beschrieb Landeshauptmann Erwin Pröll die neue Kirche. Die „wunderschöne und moderne Architektur“ auf historischem Boden zeige, „dass wir in Niederösterreich in unserer Geschichte verwurzelt sind und dennoch weltoffen nach vorne gehen“. In der „lauten Zeit“ brauche es Orte der Stille und der Entschleunigung, an denen „Menschen sich selbst wieder spüren und Orientierung finden“.

Für Synodenpräsident Peter Krömer ist die neue Kirche ein „architektonisches Musterstück“. Denn Kirche, so der Präsident, soll „eine Stätte sein, wo Menschen von Gott angerührt werden, hinausgehen und zum Segen für andere werden“. „Die Kirche setzt Maßstäbe für den Kirchenbau der Zukunft“, ist Adolf Reichel vom Verein „Freunde der evangelischen Kirche in Hainburg“ überzeugt. Gemeinsam mit seiner Frau hatte Reichel das Projekt initiiert und federführend begleitet. Reichel dankte den vielen Unterstützern, darunter das Land Niederösterreich, mehrere Banken, Gustav-Adolf-Verein, Martin-Luther-Bund und zahlreiche private Sponsoren. Insgesamt betrugen die Baukosten 1,4 Millionen Euro. Grußworte sprachen auch der evangelisch-lutherische Nachbarbischof Milos Klátik aus der Slowakei, Johannes Grassmayr von der gleichnamigen Glockengießerei, der Obmann des Martin-Luther-Bundes Pal Fonyad und Pfarrer Ernst Hofhansl für den Gustav-Adolf-Verein.

Auf der neuen Kirche sitzt ein 30 Tonnen schweres, in einer Schiffswerft gefertigtes Stahldach. Zur Poststraße im historischen Zentrum von Hainburg richtet sich eine gefaltete Glasfront, neben der Kirche steht ein 20 Meter hoher Glockenturm aus Stahl.

ISSN 2222-2464