„Martin Luther – ein großartiger Mann“

Diskussion über den Film „Luther“ im Künstlerhaus Kino

Wien, 17. März 2004 (epd Ö) Überwiegend positiv ist der amerikanische Film „Luther“ bei einer Podiumsdiskussion von ExpertInnen aus Kirche und Wissenschaft beurteilt worden. In der Diskussion, die am 11. März im Rahmen der Evangelischen Woche im Anschluss an eine Vorführung des Films im Wiener Künstlerhaus Kino stattfand, sagte Oberkirchenrat Hon.Prof. Dr. Michael Bünker, der Film werfe die Fragen der Vermarktung von Religion und des Zusammenwirkens von Politik und Religion auf. Es werde deutlich: „Es kommt auf dich an!“ Luther stehe zwischen zwei Epochen, „und er steht an der Wende der Zeiten für die Freiheit des Glaubens“.

Der Historiker Univ.-Doz. Dr. Klaus Lohrmann erkannte in der Gestalt Martin Luthers eine gute Verbindung von Selbstständigkeit des Denkens und Tradition.

Hervorzuheben sei die dem Film zugrunde liegende gute historische Dokumentation. Insbesondere in den Dialogen werde eine Fülle von Problemen der damaligen Zeit angesprochen. Für die römisch-katholische Theologieprofessorin Dr. Anne Jensen hat Luther auch innerhalb der römisch-katholischen Kirche Anstöße gegeben und Fragen aufgeworfen, wie etwa die nach der Priesterehe. „Luther gehört nicht nur den Protestanten“, sagte die Grazer Theologin.

Nach Meinung der Filmkritikerin Dr. Renate Wagner-Wesemann zeigt der Film: „Luther ist ein Sieger.“ Luthers Zeit werde sehr plastisch dargestellt, er selbst sei als historische Figur vor allem menschlich ein „großartiger Mann“. Der Film sei ein Werbefilm für Luther und die Evangelische Kirche, „aber das mindert nicht seinen Wert“.

Katharina von Bora wird nicht gewürdigt

Kritisch merkte die Benediktinerin Jensen an, der Film mache die Ambivalenz in der Persönlichkeit Luthers zu wenig deutlich, auch werde die „immense Lebensleistung“ seiner Frau, Katharina von Bora, „absolut nicht gewürdigt“. Bünker bedauerte, dass der Film Luthers Kontakte mit Rabbinern ebenso verschweige wie seine „unerträglichen Ausfälle“ gegen die Juden. Dagegen verwies Lohrmann darauf, dass die „wirklich antisemitischen Werke“ Luthers Alterswerke seien, während der Film bereits mit dem Jahr 1530 abschließt. Der Historiker kritisierte allerdings die „klischeehafte Darstellung“ der Verhältnisse in Rom unter Papst Leo X., der große kulturelle und politische Verdienste um die Stadt habe.

Die Diskussion im voll besetzten Kinosaal des Künstlerhaus Kinos moderierte der Leiter der Evangelischen Akademie Wien, Mag. Roland Ritter-Werneck.

ISSN 2222-2464