LWB: Alternativen zum Krieg gegen den Irak suchen

TeilnehmerInnen der Europatagung des Lutherischen Weltbundes in Wien befürchten Destabilisierung der Region

Wien, 5. März 2003 (epd Ö) Gegen einen möglichen Krieg gegen den Irak haben sich die TeilnehmerInnen der europäischen Konsultation zur Vorbereitung der Vollversammlung des Lutherischen Weltbundes (LWB) vom 23. bis 26. Februar in Wien ausgesprochen. In einem Brief an die Delegierten der asiatischen Konsultation zur Vorbereitung der Vollversammlung, die vom 2. bis 6. März in Medan (Indonesien) stattfindet, betonen die europäischen VertreterInnen aus über 20 Ländern, die lutherischen Kirchen aus ganz Europa stünden an der Seite derer, „die mit massiven Protesten die Erwägung von Alternativen zum Krieg einfordern“.

Es könne nicht akzeptiert werden, so der Brief der Konsultation, dass anderswo Menschenleben gefährdet würden, um den Menschen in Europa und Nordamerika ein Gefühl der Sicherheit zu verschaffen. „Sicherheitsfragen sollten vielmehr aus dem Bewusstsein heraus erwogen werden, dass wir alle verwundbar sind.“ Diese Verwundbarkeit gehöre zum Menschsein, ihr sei nicht zu entrinnen.

Die TeilnehmerInnen der Konsultation in Wien teilen die Sorge der Kirchen im Mittleren und Nahen Osten, dass ein Krieg sich negativ auf die Situation der ChristInnen in der Region auswirken könnte. Sie verurteilen weiterhin die Unterdrückung, die von der Diktatur im Irak ausgehe, brachten aber auch ihre Befürchtung zum Ausdruck, dass ein bewaffneter Konflikt die Region weiter destabilisieren würde.

Im Hinblick auf die wirtschaftliche Globalisierung, eines der zentralen Themen der Zehnten LWB-Vollversammlung vom 21. bis 31. Juli 2003 in Winnipeg (Kanada), erklärten die TeilnehmerInnen, die Globalisierung eröffne Möglichkeiten für den Austausch von Erfahrungen und die Begegnung zwischen Menschen. Die wirtschaftliche Globalisierung diene jedoch auch den Interessen derjenigen, „die bereits Macht haben auf Kosten der Mehrheit“. Auch in Europa erlebten sie die Ausgrenzung von Gruppen und Ländern in der Folge von Prozessen, denen u. a. neoliberale Konzepte zu Grunde liegen.

Solche Prozesse würden oft so dargestellt, als gäbe es keine Alternative. Die VertreterInnen der europäischen LWB-Mitliedskirchen stellten klar, dass es nach ihrer Ausfassung sehr wohl Alternativen gebe. Ziel sei es, sich mit diesen zu befassen. Weiterhin bekräftigten die TeilnehmerInnen ihre Verpflichtung, sich für gerechte, nachhaltige und lebensbejahende Ökonomien einzusetzen.

In ihrem Schreiben an die Delegierten der asiatischen Konsultation im Vorfeld der LWB-Vollversammlung erklären die europäischen Delegierten, dass es ihnen schwer falle, ihre Mission in der Vielfalt der Religionen und Kulturen zu definieren, die von jeher eine Realität Europas gewesen sei. In den LWB-Mitgliedskirchen gebe es eine Vielfalt von ethnischen Gruppen, Sprachen, Kulturen, Familienstrukturen und Lebensstilen. Diese Vielfalt müsse positiv aufgenommen werden, ohne Gerechtigkeit und Gleichberechtigung aufzugeben. Weiterhin forderten die Delegierten, dass dem christlichen Glauben und den christlichen Werten in Europa auch weiterhin eine zentrale Rolle zukommen müsse.

Die europäische Vorbereitende Konsultation zur Vollversammlung war die zweite von insgesamt fünf regionalen Tagungen im Vorfeld der Zehnten LWB-Vollversammlung, die sich aus der Perspektive der verschiedenen Regionen mit Thema und Inhalt der Vollversammlung beschäftigen. An der europäischen Konsultation nahmen rund 80 Personen teil, darunter über 60 Vollversammlungsdelegierte der europäischen LWB-Mitgliedskirchen. Gastgeberin war die Evangelische Kirche A.B. in Österreich.

Zur Zehnten LWB-Vollversammlung zum Thema „Zur Heilung der Welt“ werden etwa 1.000 TeilnehmerInnen erwartet, einschließlich der 436 Delegierten aus den 136 LWB-Mitgliedskirchen. Die Vollversammlung findet auf Einladung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Kanada (ELKIK) in Winnipeg statt und ist das oberste Entscheidungsgremium des LWB. Sie tritt in der Regel alle sechs Jahre zusammen.

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ISSN 2222-2464