Lutz: Kampf gegen Aids beginnt im Kopf

Internationaler Studientag „AIDS begegnen“ im Wiener kardinal-könig-haus

Wien, 3. März (epd Ö) „Die Zukunft liegt in den Kondomen, nicht so sehr im Aids-Cocktail oder einer Mischung von beidem.“ Das sagte der Bevölkerungsexperte Dr. Wolfgang Lutz in einem Podiumsgespräch beim Internationalen Studientag „AIDS begegnen – Public Health, sozialethische und entwicklungspolitische Dimensionen der weltweiten HIV Pandemie”. Der Studientag, veranstaltet von der Evangelischen Entwicklungszusammenarbeit, fand am 26. und 27. Februar im Wiener kardinal-könig-haus statt. Am Podiumsgespräch nahmen teil Lutz, Direktor des Instituts für Demographie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Projektleiter beim International Institute for Applied Systems Analysis (IIASA) in Laxenburg, und Dr. Christoph Benn, Direktor für auswärtige Beziehungen beim „Global Fonds zur Bekämpfung von AIDS, Malaria und Tuberkulose” in Genf und Liz Vibila Vuadi, Theologieprofessorin an der Protestantischen Universität in Kinshasa in der Republik Kongo. Moderiert wurde das Gespräch von Gerhard Plott, außenpolitischer Redakteur der Tageszeitung „Der Standard”.

Lutz berichtete, dass heute weltweit ca. 40 Millionen Menschen an AIDS litten. Dabei wäre die Krankheit nicht gleichmäßig auf der Welt verteilt,” betonte er. Die höchsten Zahlen an AIDS-Toten und der mit AIDS infizierten Menschen seien im südlichen Afrika und im südlichen Asien zu finden. Für Lutz beginnt der Kampf gegen AIDS zunächst im Kopf mit dem „Wahrhaben der Situation”. Als „einzig langfristige Möglichkeit der Bekämpfung” der Immunkrankheit sehe er allein die „Verhaltensänderung”. Lutz verwies darauf, dass Medikamente zwar den Verlauf der Krankheit verlangsamen könnten. Der AIDS-Patient selbst könne aber durch unvorsichtiges Verhalten weiterhin andere mit dem Virus anstecken.

Benn teilte mit, dass „Global Fonds” finanzielle Mittel dorthin lenkt, wo sie zur Bekämpfung der „größten Epidemie, der sich die Menschheit in der Neuzeit gegenüber sieht,” benötigt werden. Dabei würden die Länder selbst bestimmen, welche Hilfe sie konkret brauchen und welche Programme sie durchführen möchten. Inzwischen könne ein Medikamenten-Cocktail den Ausbruch der Krankheit verzögern und, so Benn, „die Wirkung dieser Medikamente ist erstaunlich.” Trotzdem sei der Cocktail jedoch „keine Heilung”, nur „Lebensqualität und Lebensdauer verbessern sich.” Heute sei es „Konsens”, erklärte Benn, dass bei der Bekämpfung von AIDS „drei Komponenten Hand in Hand” gehen müssen: die Aufklärung über die Krankheit, die Betreuung der AIDS-Patienten und ihrer Angehörigen und die medikamentöse Behandlung.

Vuadi, die in ihren Lehrveranstaltungen die Themen Theologie und AIDS verbindet, machte deutlich, dass in Afrika „das Schicksal des Einzelnen von der ganzen Gesellschaft abhängig” sei. Um sich vor AIDS schützen zu können, müsse man sich jedoch informieren lassen können. Bei der hohen Anzahl von Analphabeten in der Bevölkerung seien „diese Bedingungen von vielen aber nicht erfüllbar,” gab Vuadi zu verstehen. Um „das Schweigen zu brechen”, spricht Vuadi mit ihren Studenten über Kondome und Sexualität und stellte dabei fest, dass AIDS auch „ein Problem gegenüber unserem Glauben ist” und von vielen „wie eine Strafe betrachtet wird.” Bezüglich der Aufklärung über AIDS sei sie aber „zufrieden, dass wir schon etwas erreicht haben.”

ISSN 2222-2464