Luise Müller: „Sorge für das gute Leben der Menschen muss an oberster Stelle stehen“

Bei der Gedenkfeier für die Toten von Kaprun rief die Superintendentin von Salzburg-Tirol zu Wachsamkeit gegenüber der Vernachlässigung menschlicher Sicherheit auf

Kaprun (epd Ö) – „Vielleicht sind wir dies ja den Toten von Kaprun schuldig: dass wir verstärkt aufmerksam sind: in politischen, wirtschaftlichen, zivilgesellschaftlichen oder kirchlichen Funktionen, oder privat zuhause in unseren Familien.“ Das sagte die Superintendentin von Salzburg und Tirol, Luise Müller, am 11. November in ihrer Ansprache bei der ökumenischen Gedenkfeier für die Opfer der Seilbahn-Brandkatastrophe in Kaprun. An der Gedenkstätte für die 155 Toten forderte die Superintendentin: „Schauen wir genau hin, und lassen wir es uns nicht gefallen, wenn nicht die Sorge für das gute Leben der Menschen an oberster Stelle steht.“

Im Blick auf die Hinterbliebenen erklärte Müller: „Ich habe in aktuellen Gesprächen Wut, Ohnmachtsgefühle, das Gefühl von Verrat einerseits erlebt, aber auch den von manchen geäußerten Wunsch: Lasst uns in Ruhe trauern, wühlt nicht immerzu alles auf, das hilft uns nicht, unser Leben heute und morgen zu bewältigen.“ Zu den Freisprüchen im Prozess sagte die Rednerin: „Es mag sein, dass es juristisch Recht ist. Aber Gerechtigkeit schaut für viele nicht so aus. Und so bleibt die bohrende Frage: Wo finden wir Gerechtigkeit? Und wo finden wir Wahrheit?“

„Die Wahrheit Gottes besteht nicht in Geschäft und Gewinn“

Für die Wahrheit Gottes, so die Superintendentin, stehe das Heil der Menschen im Zentrum, „nicht das Geschäft, nicht der Gewinn, nicht das Weiter und Schneller und Höher um einen teuren Preis“. Müller räumte ein: „Ich weiß schon, dass solche Wahrheiten auch zählen und dass sie Ansehen und Auskommen vieler Menschen sichern. Ich bin nicht so blauäugig und will das alles nicht schlechtreden. Aber ich weiß auch, dass es Werte gibt, die wir niemals unterordnen dürfen: die Sicherheit und das Leben und Wohlergehen von Menschen.“

Die Superintendentin bekannte in ihrer Ansprache: „Ich selber kann nicht anders, als mein ganzes Vertrauen in einen Gott zu legen, der mir immer noch wieder nahegekommen ist, auch wenn ich manchmal massiv an seiner Existenz gezweifelt habe.“ Das Gebet im Vertrauen, dass Gott hilft, biete Christinnen und Christen „eine unwahrscheinliche Stärkung in der Angst“.

ISSN 2222-2464