Lohlker: „Knotenpunkt“ Islam

Islamexperte zu Gast bei Studientag des Theologischen Ausschusses der Generalsynode

Wien (epd Ö) – „Der Islam ist nicht nur auf eine Essenz zurückzuführen.“ Das betonte Univ.-Prof. Dr. Rüdiger Lohlker vom Institut für Orientalistik der Universität Wien bei einem theologischen Studientag zum Thema Islam. Der Theologische Ausschuss der Generalsynode der Evangelischen Kirche A. und H.B. hatte dazu am Mittwoch, dem 28. Februar, in das Evangelische Zentrum in Wien eingeladen. Lohlker verwies darauf, dass man nicht von „dem wahren Islam“ sprechen könne. Der Islam sei vielmehr „ein Knotenpunkt“. Innerhalb der muslimischen Gemeinschaften gebe es sehr unterschiedliche Positionen und Diskussionen.

 

Der Islamexperte machte im Gespräch mit verschiedenen VertreterInnen der Evangelischen Kirchen A.B. und H.B. deutlich, dass der Islam im theologischen Diskurs etwas anderes bedeute als z.B. aus der politischen Perspektive oder der Perspektive des Sufismus, der islamischen Mystik. Darüber hinaus reiche es nicht, so Lohlker, „den Koran zu lesen, um den Islam zu begreifen“.

 

Verschiedene Formen des Islam

 

Die in Europa zu beobachtende erneute Bezugnahme auf den Islam durch MuslimInnen sei vielfach der Versuch, sich als islamisch zu definieren und würde auch einen Punkt in der Einordnung und Anpassung an die europäische Gesellschaft darstellen. Lohlker nannte drei Formen des Islam. Dazu gehören der kulturalistische Islam und der Islam, der an dem sozialen und dem gemeinschaftsbildenden Moment interessiert sei. Die dritte Form stelle der Islam dar, der in Abgrenzung gegenüber den westlichen Gesellschaften zum Ausdruck komme. Dabei wäre ein Hintergrund, dass MuslimInnen sich bei dieser Form nicht in der Lage sehen, sich in die westliche Gesellschaft zu integrieren. Das könne unter Umständen zu Fundamentalismus führen. Hier müssten, so der Islamexperte, die europäischen Gesellschaften wahrnehmen, dass es im Islam Radikalisierungstendenzen gebe. In Europa bestehe „keine muslimische Diaspora“, sondern „europäische muslimische Gemeinschaften“.

 

Auf Österreich bezogen nannte Lohlker die Islamische Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGIÖ) einen „legitimen Ansprechpartner“. Durch diesen Gesprächspartner hätten die Kirchen in Österreich Gelegenheit, „ohne Druck auf den Islam zuzugehen“.

 

Moderiert wurde der Studientag vom Vorsitzenden des Theologischen Ausschusses, Superintendent Mag. Hermann Miklas.

 

ISSN 2222-2464