Literaturpreis „Ohrenschmaus“ sucht neue Schriftsteller-Talente

Felix Mitterer: Menschen mit Lernbehinderung bereichern uns mit unerwarteten Einsichten und literarischen Äußerungen

Wien (epd Ö) – Neue literarische Talente zu entdecken und zu fördern, hat sich der Literaturpreis „Ohrenschmaus“ zum Ziel gesetzt, der am Freitag, 13. April, in Wien den Medien vorgestellt wurde. Hinter „Ohrenschmaus“ steht ein Organisationsteam, das sich auf Initiative von Franz-Joseph Huainigg, Nationalratsabgeordnetem und Sprecher des ÖVP-Klubs für Menschen mit Behinderung, gebildet hat. Die Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie Österreich, Jugend am Werk, Lebenshilfe Österreich, SOB 31 und Vienna people first unterstützen als Initiativkomitee diesen Literaturpreis und stellen ihr Engagement und ihre Expertise in der Behindertenarbeit zur Verfügung. Unter dem Ehrenschutz des Autors Felix Mitterer sind Menschen mit Lernbehinderung aufgerufen, bis 30. September 2007 Texte oder Gedichte einzusenden. Diese werden von einer prominent besetzten Jury bewertet und im Dezember 2007 im Rahmen einer Preisverleihung ausgezeichnet.

 

Seinen 40. Geburtstag nahm Franz-Joseph Huainigg zum Anlass, den Literaturpreis „Ohrenschmaus“ ins Leben zu rufen und dafür zu werben. „Ich bat darum, nicht mich, sondern den Literaturpreis zu beschenken, und hatte mit Michaela König, einer Autorin mit Down-Syndrom, prominente Unterstützung für diese Idee. Michaela König versetzte meine Gäste nicht nur mit selbst geschriebenen Gedichten, sondern auch mit Gesang in Begeisterung“, sagte Franz-Joseph Huainigg.

 

Felix Mitterer, der seit vielen Jahren die satirischen Texte des ‚angeblich behinderten’ Südtiroler Autors Georg Paulmichl liest, hat das Potential dieser Menschen bereits vor langer Zeit erkannt. „Mit Freuden bin ich daher auch beim Literaturwettbewerb „Ohrenschmaus“ dabei, der uns bestimmt ebenfalls mit unerwarteten Einsichten und literarischen Äußerungen bereichern wird“, so Felix Mitterer.

 

Auf die Anliegen von Menschen mit Behinderung aufmerksam machen

 

„Die Lebenshilfe Österreich begrüßt es sehr, beim ‚Ohrenschmaus’, dem ersten Literaturpreis dieser Kategorie in Österreich, als teilnehmende Organisation aufzutreten und damit im Jahr der Chancengleichheit auf die Anliegen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen aufmerksam zu machen“, sagte Lebenshilfe-Präsident Germain Weber.

 

„Dieser Literaturpreis möchte die Werke hervorheben, die aufgrund ihrer kreativen Stärke herausragen. Es wird darum gehen, Schätze zu heben, die allzu oft unter einer vorschnellen Etikettierung verborgen liegen“, betonte Michael Chalupka, Direktor der Diakonie Österreich. „Ohrenschmaus“ wolle kein Preis für therapeutische Konzepte sein, denn: „Nicht jede Therapie bringt Künstlerinnen und Künstler hervor, nicht jedes so entstandene Produkt kann kunstvoll sein. Kunst ist Kunst, und Therapie ist Therapie.“

 

Für Caritas-Präsident Franz Küberl ist das Bild von Menschen mit Behinderungen in der Öffentlichkeit fast ausschließlich durch Defizite geprägt. Gesehen werde nur das, was der Mensch im Vergleich zu einem nicht behinderten Menschen nicht kann. Der Literaturpreis helfe mit, „verborgene Talente zu entdecken und damit das Bild behinderter Menschen in der Öffentlichkeit zu korrigieren“.

 

Zum Literaturwettbewerb „Ohrenschmaus 2007“ eingeladen sind alle Menschen mit Lernbehinderung ab 16 Jahren. Gesucht werden Geschichten, Erzählungen, Gedichte etc. Dem Gewinner oder der Gewinnerin winkt ein Hauptpreis in der Höhe von 1.000 Euro. Texte können ab sofort bis 30. September 2007 unter dem Kennwort „Literaturpreis Ohrenschmaus“ eingereicht werden (Postfach 38, 1016 Wien). Weitere Details unter www.ohrenschmaus.net.

ISSN 2222-2464