Lein: Keine „einfache Lösung“ in der Flüchtlingsfrage

Foto: epd/M. Uschmann
Foto: epd/M. Uschmann

Interview zum 70-jährigen Bestehen der Diözese Wien


Die Evangelische Kirche sei dazu verpflichtet, sich bestmöglich für Menschen einzusetzen, die flüchten, weil sie um ihr Leben bangen. Das betonte der Wiener Superintendent Hansjörg Lein in einem Interview mit religion.orf.at anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Superintendentur, das die Wiener Evangelische Kirche in diesem Jahr feiert. Dabei wandte Lein auch ein, dass es in der Flüchtlingsfrage keine „einfache Lösung“ gebe. Von Obergrenzen halte er aber trotzdem nichts, da diese den Menschenrechten wiedersprächen. Er selbst habe seit vergangenem November eine syrische Familie bei sich aufgenommen. Seitdem habe er sehr viele interessante und gute Erfahrungen gemacht.

In Bezug auf die im Sommer aufgeflammte Kopftuchdebatte verwies der Superintendent auf die grundsätzliche Freiheit, die das evangelische Christentum in besonderer Weise ausmache. „Für mich gehört es zur grundsätzlichen Freiheit, dass sich Menschen kleiden können, wie sie es für richtig halten.“ Nur mit einer Ganzkörperverhüllung habe Lein Probleme, wenn dadurch die Identifikation des Gegenübers unmöglich werde.

Besorgt zeigte sich Lein bezüglich der derzeitigen politischen Entwicklung in Europa. „Wir beobachten einen eindeutigen Rechtsruck, hier müssen wir als evangelische Christen ganz besonders wachsam sein“, sagte der Superintendent und verwies auf die problematische Rolle der Evangelischen Kirche zur Zeit des Nationalsozialismus. Wenn man sich die letzten Wahlergebnisse ansehe, sei aber leider nicht zu leugnen, dass auch in den Hochburgen der Evangelischen Kirche in Österreich ein hoher Anteil an Wählern und Wählerinnen die Partei wählen, die sehr viel Hass schüre, so Lein.

Für die Wiener Diözese sieht Lein in Zukunft vielfältige Aufgaben. Im Bereich der Seelsorge stehe man den Menschen immer mit einem offenen Ohr zur Seite. Hier sei insbesondere auch die Gefängnis- oder die Krankenhausseelsorge hervorzuheben. Dort gehe man zu Menschen, die in sehr schwierigen Lebenssituationen sind. Ein zweites zentrales Thema ist für Lein die Bildung: „Evangelische Kindergärten und Schulen boomen seit Jahren. Mein Wunsch ist es, diesen Bereich in Zukunft weiterzuführen und stetig auszubauen.“

Ende des Zweiten Weltkriegs gehörten Kärnten, Steiermark, Niederösterreich und Wien zu einer großen evangelischen Diözese A.B. 1946 wurde dann die Wiener Superintendentur davon abgetrennt. Seit zwölf Jahren steht Hansjörg Lein als Superintendent an deren Spitze. In diesem Jahr feiert die Diözese ihr 70-jähriges Bestehen – unter anderem mit einem Festgottesdienst und einem Gartenfest.

Das ganze Interview zum Nachlesen finden Sie hier.

ISSN 2222-2464