Lein: Den Nerv der Stadt treffen und auf die „Heilige Kuh“ Auto verzichten

Superintendent Hansjörg Lein (re) und Weihbischof Stephan Turnovszky (li)
Superintendent Hansjörg Lein (re) und Weihbischof Stephan Turnovszky (li)

Aktion „Autofasten“ heuer zum fünften Mal

Wien (epd Ö) – „Wenn wir zum Autofasten aufrufen, dann treffen wir den Nerv der Stadt“, sagte der Wiener Superintendent Hansjörg Lein bei der Pressekonferenz zum Start der Aktion „Fasten heute – fair und nachhaltig“ am 9. Februar in Wien. Er selber habe persönlich die „wohltuende Erfahrung“ gemacht, seit drei Monaten ohne Auto zu leben: „Das ist wie eine Befreiung – und darum geht es auch beim Fasten, sich von etwas zu befreien.“ Die christliche Botschaft rufe zu beidem auf, zur Freiheit und zur Verantwortung gegenüber der Schöpfung. „Da passt es sehr gut, auf die ‚Heilige Kuh‘ Auto zu verzichten“, so Lein. Das Automobil sei zweifellos eine „wichtige Erfindung“ gewesen, aber die nachteiligen Folgen seien inzwischen offenkundig. Auch sei bei aller Freiheit des Individuums Solidarität mit der Schöpfung gefragt „zum Wohl der gesamten Schöpfung“.

Weihbischof Stephan Turnovszky betonte die Freude, die aus dem Fasten komme: „Ein Verzicht lehrt die Freiheit des Verzichtens zu schätzen.“ Dies sei die „Sinnspitze“ des Fastens, „Wachsen in der Freiheit, indem wir auf etwas verzichten, was wir für gut finden, denn es kann alles Gute zu einem Götzen werden.“ Turnovszky wies auf „zwei Fallgruben des Fastens“ hin: „das Fasten für mich selbst und das Fasten nur für andere“. Wichtig sei die Balance zwischen beidem. „Wir haben vierzig Prozent mehr Fahrgäste in den vergangenen fünfundzwanzig Jahren, aber auch vierzig Prozent mehr Autozulassungen“, sagte Werner Moik vom Verkehrsverbund Ost-Region (VOR). Das zeige, dass es eine bewusste Entscheidung sei, auf öffentliche Verkehrsmittel umzusteigen. Inzwischen werden in Wien mehr Wege mit Bus, U-Bahn, Straßenbahn und S-Bahn zurückgelegt als mit dem Auto. Auch in diesem Jahr verlost der VOR 300 sechswöchige Fahrscheine zu der Aktion „Autofasten“.

„Fleischfasten“ für eine fairere Welt

Josefa Molitor-Ruckenbauer hat für die Aktion „Fleischfasten“ an der Pressekonferenz teilgenommen. Es fehle nach wie vor bei Politikern das Bewusstsein, dass eine nachhaltige und bewusste Lebensweise möglich sei. „Die Folgen der fossilen Energienutzung vernichten Lebensgrundlagen. Besonders in den südlichen Ländern der Erde. Wir müssen endlich Grenzen setzen und diese auch akzeptieren“, sagte die Kampagnenkoordinatorin „Klima fair bessern“. Für diesen Mut komme den Kirchen eine wichtige Rolle zu.

Die Aktion „Autofasten“ gibt es österreichweit heuer zum fünften Mal. Offizieller Beginn ist der 17. Februar, Ende der 3. April. Im letzten Jahr hatten sich rund 5700 Personen zum Autofasten angemeldet. Damit seien etwa vier Millionen Kilometer nicht mit dem Auto zurückgelegt worden, so Markus Gerhartinger von der Aktion „Autofasten“ von der Konferenz der Umweltbeauftragten der Evangelischen und Katholischen Kirchen Österreichs.
Weitere Informationen zum „Autofasten“ gibt es unter www.autofasten.at/.

ISSN 2222-2464