Leichterer Berufseinstieg für ausländische Pflegekräfte

Leila Kavlelaschvili (L.) und Aissatou Diallo möchten als Krankenschwestern arbeiten und drücken deshalb noch einmal die Schulbank.
Leila Kavlelaschvili (L.) und Aissatou Diallo möchten als Krankenschwestern arbeiten und drücken deshalb noch einmal die Schulbank.

Schule für Gesundheit und Krankenpflege am Diakonissen-Krankenhaus Linz bietet als einzige Schule in Oberösterreich Nostrifikationskurse für ausländische Pflegekräfte

Linz (epd Ö) – Der Bedarf an Pflegekräften steigt massiv. Neben Maßnahmen, die den Pflegeberuf attraktiver machen, müssten auch mehr InteressentInnen für die Ausbildungen in diesem Bereich gefunden werden, betont das Diakoniewerk Gallneukirchen in einer Aussendung. Eine wichtige Maßnahme sieht das Diakoniewerk in der Aufnahme von ausländischen Pflegekräften. Seit 2003 bietet die Gesundheits- und Krankenpflegeschule am Diakonissen-Krankenhaus Linz als einzige Schule in Oberösterreich eine Ergänzungsausbildung an, die es ausländischen Diplomkrankenschwestern und Diplomkrankenpflegern ermöglicht, die in Österreich erforderlichen Lehrinhalte und Qualifikationen nachzuholen bzw. Praktika zu absolvieren und die kommissionelle Prüfung zur Erlangung des Krankenpflegediploms abzulegen. Über 240 TeilnehmerInnen in 14 Lehrgängen haben bereits erfolgreich abgeschlossen.

Unterschiedliches Pflegeverständnis

„Unsere Bewerberinnen und Bewerber kommen vor allem aus osteuropäischen Ländern, vereinzelt auch aus dem asiatischen Raum, Lateinamerika und aus Afrika. Die größten Herausforderungen, die sie bewältigen müssen, sind die deutsche Sprache, der unterschiedliche Ausbildungsstandard und vor allem die unterschiedliche Auffassung von Pflege“, weiß Schul-Direktor Berthold Tauber. Welche Bedeutung Pflege habe, sei wesentlich davon abhängig, „wie ein Land dieses Berufsbild sieht“. Viele Länder hätten eine stark medizinisch ausgerichtete Pflegeausbildung nach der Matura bzw. ein richtiges Studium. Tauber: „Das, was Pflege wirklich ausmacht, die Zuwendung zum Patienten, seine individuelle Unterstützung und Beratung, ihm zuzuhören, wird nicht oder nicht in dem Ausmaß gelehrt. Hier haben die TeilnehmerInnen des Lehrgangs oft einen großen Nachholbedarf.“

Neue Perspektiven

Leila Kavlelaschvili (35) kam vor acht Jahren als politischer Flüchtling aus Georgien und ist seit sechs Jahren Österreicherin. Nach einigen Haushaltsjobs arbeitet sie seit einem Jahr als Pflegehelferin in einem Altenheim. „Auch wenn es mir dort gut gefällt, möchte ich doch gerne in meinem erlernten Beruf als Diplomschwester in einem Krankenhaus arbeiten“, beschreibt sie ihre Motivation, noch einmal die Schulbank zu drücken. „Ich fühle mich wohl, wenn ich Menschen helfen kann und sie zufrieden mit mir sind“, ergänzt sie.

Aissatou Diallo hat in ihrem Heimatland Guinea ebenfalls die Diplomkrankenpflegeausbildung absolviert. Die 42-jährige Asylwerberin ist seit sieben Jahren in Österreich und möchte ebenfalls im Krankenhaus arbeiten. „Ich bin gut integriert, aber die Sprache und die ganz andere Kultur sind schon Hürden, die ich bewältigen musste. Auch die technischen Voraus-setzungen sind hier ganz anders als in Afrika“, erzählt sie.

Die zu leistenden Praktikumsstunden sind unterschiedlich, je nach Ausbildungsstandard der TeilnehmerInnen. Für Leila Kavlelaschvili standen insgesamt 360 Stunden auf dem Programm, Aissatou Diallo hatte bis zur kommisionellen Prüfung 560 Stunden zu leisten.

Der nächste Kurs beginnt in diesem Frühjahr. Bewerbungen sind noch bis Mitte April möglich. Nähere Informationen: Schule für Gesundheits- und Krankenpflege am Diakonissen-Krankenhaus Linz, Tel.: 0732/7675-575

ISSN 2222-2464