Lehner: Das Alltägliche ist Medium der missionarischen Kirche

Strategie und Praxis einer einladenden Kirche im Mittelpunkt der oberösterreichischen Superintendentialversammlung

Bad Goisern (epd Ö) – Mit Fragen der Strategie und der Praxis einer missionarischen Kirche befasste sich die oberösterreichische Superintendentialversammlung, die am Samstag, 25. April, in Bad Goisern tagte. In seinem Referat vor den Delegierten der oberösterreichischen Pfarrgemeinden sagte Superintendent Gerold Lehner, das Thema „Missionarische Kirche“ werde auf der Ebene der Pfarrgemeinden „gewonnen oder verspielt“. Denn missionarische Kirche zu sein, vollziehe sich wesentlich im Alltag der Menschen und der Kirche auf der Ebene der Beziehungen: „Nicht die Großveranstaltung, nicht das Spektakuläre, sondern das Alltägliche ist das Medium der missionarischen Kirche.“ Nur so könne der Mensch „wahr- und liebgewonnen“ werden.

Jedes kirchliche Reden in Bezug auf Mission müsse von permanenter Umkehr getragen sein, so der Superintendent. Dazu gehöre die Bereitschaft, „sich immer wieder lernend und hörend dem Mensch gewordenen Christus als Movens aller Mission zu Füßen zu setzen“. Kirche dürfe mit ihrer Einladung nicht „bei sich bleiben“, sondern müsse auf Menschen zugehen, „sie aufsuchen und ihnen nachgehen“. Missionarische Kirche zu sein bedeute auch, „in der grundsätzlichen Bejahung des Menschen und im Respekt gegenüber seinen Wegen“ zu widersprechen. Vor allem dort, wo „falsche Heilswege verkündet“ werden oder sich der Mensch „in Selbstsicherheit verschanzt“.

Lehner ist sich sicher, dass das Profil einer missionarischen Kirche im Gegenüber zu anderen Religionen, „aber auch zu esoterischen Systemen“ zu Auseinandersetzungen und Konflikten führt: „Gerade darin muss sich das unauflösliche Miteinander von Liebe und Wahrheit bewähren.“ Missionarische Kirche ist für den Superintendenten nur ökumenisch zu denken, konfessionelle Profilierung sei fehl am Platz, vielmehr gehe es darum, „die Sendung gemeinsam neu zu entdecken“. Dabei dürften Kirchen nicht bei ihren eigenen Mitgliedern stehenbleiben: „Sie schulden das Evangelium gerade jenen Menschen, die sich nicht zur Kirche halten, in säkularen oder esoterischen Mustern denken und leben.“ Wer Menschen auf den Glauben hin anspreche, müsse auch bereit und fähig sein, sie in die Gemeinde zu integrieren. Das bedeute nicht nur Bereitschaft auf Seiten der Kirche, sondern verändere sie selbst.

Köglberger: Anglikanische Kirche internationales Beispiel

Oberkirchenrat Klaus Köglberger erinnerte in seinem Grußwort an den Kongress des Werkes für Evangelisation und Gemeindeaufbau, der eine Woche vor der Superintendentialversammlung zum Thema „Mutig Veränderung gestalten“ ebenfalls in Bad Goisern stattgefunden hat. Im Prozess der Veränderungen sei die Anglikanische Kirche „internationales Beispiel“. Der anglikanische Bischof Nick Baines hatte beim Kongress in Bad Goisern über die erfolgreiche Erneuerung berichtet. 6.000 „Fresh Expressions of Churches“ sind in den letzten Jahren entstanden. Mit neuen, kreativen Formen konnten so Menschen erreicht werden, die mit der bisherigen Kultur von Kirchen nicht mehr erreichbar waren. Im Zuge der Verän-derungsprozesse ging Köglberger auch auf das so genannte „Naßwalder Modell“ ein. Die hohe Anzahl der Stellungnahmen – die meisten kamen dabei aus Oberösterreich, dort hatten 80 Prozent der Pfarrgemeinden reagiert – zeige, „dass es den Menschen ein Herzensanliegen ist, wie es mit unserer Kirche weitergeht“.

Das Thema „Missionarische Kirche“ soll nun in den oberösterreichischen Gemeinden weiter diskutiert werden, im November will sich die nächste Superintendentialversammlung noch-mals ausführlich mit Strategien und Modellen befassen.

ISSN 2222-2464