„Lange Nacht“: Zwischen Blasmusik und „Fifty Shades of Pray“

Einer von vielen Höhepunkten: Die Clownin Gwendolin Grübel führt bei der "Langen Nacht der Kirchen" durch die Wiener Otto-Wagner-Kirche. (Foto: Michaela Speringer)
Einer von vielen Höhepunkten: Die Clownin Gwendolin Grübel führt bei der „Langen Nacht der Kirchen“ durch die Wiener Otto-Wagner-Kirche. (Foto: Michaela Speringer)

Am 10. Juni laden österreichweit Kirchen zu einem besonderen Abend ein

Wien (epdÖ) – In wenigen Tagen ist es wieder soweit: Die „Lange Nacht der Kirchen“ geht in die 12. Runde. Am Freitag, 10. Juni öffnen österreichweit zahlreiche Pfarrgemeinden ab 18 Uhr ihre Türen und bieten Besucherinnen und Besuchern ein engagiertes und außergewöhnliches Programm. Mit dabei sind Pfarrgemeinden aller Kirchen, die im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) vertreten sind oder Beobachterstatus haben.

Bei der Pressekonferenz im Vorfeld der „Langen Nacht der Kirchen“ am 31. Mai in Wien waren sich die Organisatoren einig, dass es sich bei diesem mittlerweile traditionsreichen Event um eine Erfolgsgeschichte handelt. So haben im Vorjahr insgesamt 684 Pfarrgemeinden 2631 Programmpunkte angeboten, davon haben allein in Wien 179 Gemeinden teilgenommen. Österreichweit haben im Vorjahr rund 350.000 Menschen eine oder mehrere Veranstaltungen besucht.

„Das Programm der ‚Langen Nacht‘ wird gestaltet von den Gemeinden der teilnehmenden Kirchen“, sagte Johannes Pesl, Programmkoordinator der „Langen Nacht der Kirchen“. Dadurch spiegle das Programm auch die Fülle und Vielfalt des Gemeindelebens – also der Kirche vor Ort – wider. „In der ‚Langen Nacht‘ erlebt man in den Kirchen vor allem auch Dinge, die man an einem normalen Sonntagvormittag nicht zu sehen bekommt“, so Pesl. Bei der Planung habe man natürlich auch versucht, auf aktuelle Themen einzugehen. So werden das Thema Flucht, Migration und Integration sowie das Thema Christenverfolgungen Schwerpunktthemen des ökumenischen Events. „Es ist nicht die Sache der ‚Langen Nacht der Kirchen‘, diese Fragen politisch zu diskutieren. Wir sind nicht da, um tagespolitisch zu agieren. Aber wir können einladen: Seht genauer hin!“, erklärte Pesl. In diesem Sinne wird es zahlreiche Gespräche, Diskussionen und Möglichkeiten zum Austausch geben. Viele Pfarrgemeinden präsentieren dabei, wie sie in den vergangenen Monaten Flüchtlinge unterstützt haben.

Ein besonders spannendes Programm hat die ökumenische Krankenhausseelsorge im Otto-Wagner-Spital und -Pflegezentrum vorbereitet. Neben Orgelmusik, einem Taizé-Gebet und einer spannenden Podiumsdiskussion wird eine einzigartige Kirchenführung angeboten. Ab 18 Uhr wird Clownin Gwendolin Grübel (Constanze Moritz) durch das beeindruckende Kirchengebäude führen und dazu verhelfen, die Kirche mit ganz anderen Augen zu sehen. „Die Clownin Gwendolin Grübel lässt die Kirche mit neuem Blick entdecken. Um eine neue Perspektive geht es auch in der Seelsorge, wo Humor eine wichtige Ressource sein kann“, meinte Claudia Schröder, evangelische Krankenhauspfarrerin am Otto-Wagner-Spital.

Auch in anderen österreichischen Landeshauptstädten wurde das Programm für die „Lange Nacht der Kirchen“ vorgestellt. Im Rahmen der „Langen Nacht der Kirchen“ würden spannende Entdeckungen in Kirchenräumen und meditative Elemente ergänzt durch kulturelle und musikalische Angebote, betonte Senior Karl-Jürgen Romanowski bei der Pressekonferenz in Niederösterreich. Bei der Pressekonferenz in Graz unterstrich Superintendent Hermann Miklas die ökumenische Ausrichtung der „Langen Nacht“. Die Offenheit der Kirchen zeige etwas vom Heiligen, das nach außen strahlt, so Miklas. Gemeinsam mit Bischof Wilhelm Krautwaschl wird der Superintendent eine Tour per Cabriobus zu „Lange Nacht“-Stationen in Graz anbieten; Start ist um 18 Uhr vor der Heilandskirche, Zählkarten gibt es ab 1. Juni in der diözesanen Servicestelle „Kircheneck“. Senior Lars Müller-Marienburg wies auf die Angebote der evangelischen Kirchen in Tirol hin. Drei Pfarrgemeinden beteiligen sich diesmal. Eine besondere Veranstaltung sei die „Lange Nacht der Religionen“ in der Innsbrucker Auferstehungskirche, an der acht Glaubensgemeinschaften teilnehmen. Müller-Marienburg: „Die ‚Lange Nacht‘ ermöglicht es, mit vielen Menschen in Begegnung zu kommen, die man nicht kennt. Und dabei kann man viel voneinander lernen.“ Bei der Pressekonferenz in Linz sprach Superintendent Gerold Lehner über das Motto der diesjährigen „Langen Nacht der Kirchen“: „Ihre Tore werden den ganzen Tag nicht geschlossen. Nacht wird es dort nicht mehr geben.“ (Offb 21,25) Dazu Lehner: „Für eine Nacht werden die Tore weit geöffnet. Nicht Vorsicht regiert das Handeln, sondern die Freude am Dasein, die Freude über die, die kommen.“

„Das Programm der ‚Langen Nacht der Kirchen‘ deckt auch 2016 wieder ein breites Spektrum ab“, unterstrich Bischofsvikar Dariusz Schutzki von der Erzdiözese Wien. „Die Kirchen zeigen, wo ihre speziellen Kompetenzen, Interessen oder Besonderheiten liegen, und geben manchmal neuen Ideen Raum zur Verwirklichung. Sie hören deshalb bei der ‚Langen Nacht der Kirchen‘ Chöre und Blasmusik, können LineDance und Hebräisch lernen oder ein Preacher Slam zu ‚Fifty Shades of Pray‘ hören.“ Dass es sich bei der „Langen Nacht der Kirchen“ um ein erfolgreiches Projekt handle, zeige sich nicht nur an den Teilnehmerzahlen in Österreich, sondern auch daran, dass dieser Event in anderen Ländern vielfach kopiert worden sei, so Schutzki. So findet 2016 in zahlreichen europäischen Ländern eine „Lange Nacht der Kirchen“ statt.
Weitere Informationen sowie Hinweise zum Programm finden Sie im Internet.

ISSN 2222-2464