„Lange Nacht der Kirchen“ in ökumenischer Verbundenheit

Der Wiener evangelische Superintendent Hansjörg Lein, der altkatholische Bischof John Okoro und der römisch-katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki betonten bei der Programmvorstellung der neunten "Langen Nacht der Kirchen", die am 24. Mai stattfinden wird, die Wichtigkeit der ökumenischen Verbundenheit. Foto: G.Radlmair
Der Wiener evangelische Superintendent Hansjörg Lein, der altkatholische Bischof John Okoro und der römisch-katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki betonten bei der Programmvorstellung der neunten "Langen Nacht der Kirchen", die am 24. Mai stattfinden wird, die Wichtigkeit der ökumenischen Verbundenheit. Foto: G.Radlmair

730 Kirchen laden von 18 bis 1 Uhr zu 3000 Veranstaltungen

Wien (epdÖ) –  Die „Lange Nacht der Kirchen“ ist eine „gute Gelegenheit, die ökumenische Verbundenheit aller Kirchen in Österreich“ zum Ausdruck zu bringen und Menschen zum Kennenlernen von offenen, lebendigen christlichen Gemeinschaften zu ermutigen: Das betonten der Wiener evangelische Superintendent Hansjörg Lein, der altkatholische Bischof John Okoro und der römisch-katholische Bischofsvikar Dariusz Schutzki bei der Vorstellung des Programms der mittlerweile neunten „Langen Nacht der Kirchen“, die am 24. Mai stattfinden wird. Von 18 Uhr bis nach Mitternacht werden mehr als 730 Kirchen in ganz Österreich ihre Pforten geöffnet haben und 3000 Veranstaltungen aller christlichen Kirchen innerhalb des Ökumenischen Rates präsentieren.

Die „Lange Nacht der Kirchen“ sei eine Chance, „Menschen neugierig zu machen, bisher Unbekanntes kennenzulernen, sich über die Schwelle zu trauen, ins Staunen zu kommen, die Vielfalt der Kirchen zu erleben und mit Fremden und Freunden ins Gespräch zu kommen“, so Superintendent Lein bei der Programmpräsentation am Montag in der Wiener altkatholischen Kirche St. Salvator. Man wolle in der Stimmenvielfalt der Ökumene auch und gerade die Stimmen der Kleinen zum Klingen bringen und vermitteln, dass Kirchen nicht nur sonntags geöffnet sind, sondern „tagtäglich für die Anliegen der Menschen da sind“ und sich auch für brennende gesellschaftspolitische Fragen engagieren.

Zeichen gesellschaftlichen Engagements

„Als Zeichen für dieses Engagement wird es zum Beispiel eine Diskussion zum Thema ‚Strafvollzug und seelsorgerliche Begleitung von Inhaftierten‘ in der Justizanstalt Simmering geben. Außerdem wird ein Film mit anschließender Diskussion zum aktuellen Thema ‚Umgang mit Asylsuchenden in unserem Land‘ gezeigt“, machte der evangelische Superintendent auf einige Programmhöhepunkte aufmerksam. Auch der Humor dürfe dabei nicht zu kurz kommen: „Da und dort wird kirchliches Kabarett gespielt, bei dem wir über uns selbst lachen können“, sagte Lein.

Das Grenzen überschreitende, ökumenische, interkonfessionelle und internationale Moment hob vor allem der altkatholische Bischof John Okoro hervor: Die „Lange Nacht der Kirchen“ sei ein Angebot, „Berührungsängste abzubauen, Vorurteile zu bewältigen und Missverständnisse zu überwinden“. Zentrale Aufgabe der Kirchen sei es, „Räume der Begegnung zu ermöglichen und zu schaffen“. In der „Langen Nacht der Kirchen“ stehe die „Dialogbereitschaft als Quintessenz des Christentums“ im Mittelpunkt. Die Veranstaltung sei Ausdruck einer Suche nach dem Verbindenden, der integrativen Arbeit und der Forcierung des Guten: „Gerade in Zeiten, in denen Kirchen vorwiegend negativ in den Medien vorkommen und so oftmals ein einseitiges Bild von der christlichen Botschaft entsteht, ist es eine Herausforderung der Aktion, den christlichen Beitrag zum gelingenden Leben des Einzelnen und zum Gemeinwohl zu verdeutlichen“, ergänzte Lein.

„Die ‚Lange Nacht der Kirchen‘ spricht alle an, die Kritischen ebenso wie die Neugierigen und die Treuen. Es ist eine großartige Möglichkeit, auch denen Raum zu geben, die vielleicht seit Längerem nicht in einer Kirche waren“, unterstrich Bischofsvikar Dariusz Schutzki. Es sei eine „Nacht des Aggiornamento“ (Anpassung an heutige Verhältnisse), in der „ganz im Sinne von Papst Franziskus der Geruch des Evangeliums, des Glaubens, der Hoffnung und des Dialogs“ ohne jede Aus- und Abgrenzung spürbar werde und die Menschen erreichen solle. In der „Langen Nacht der Kirchen“ könnten christliche Gemeinschaften neu entdeckt werden, könnten im wechselseitigen Kennenlernen Fragen gestellt und beantwortet werden, so Schutzki.

Eröffnet wird die „Lange Nacht der Kirchen“ am 24. Mai um 18 Uhr mit einer Ökumenischen Feier in der Lutherischen Stadtkirche in der Wiener Dorotheergasse. Vertreter der christlichen Kirchen in Wien eröffnen mit Pfarrerin Ines Knoll die Großveranstaltung mit einem gemeinsamen Gebet. Der emeritierte Wiener Weihbischof Helmut Krätzl wird in seiner Predigt auf die Bedeutung des Zweiten Vatikanischen Konzils vor allem im Blick auf die Ökumene eingehen.

Welturaufführung und Stadtspaziergänge

Erstmals wird es im Rahmen der „Langen Nacht der Kirchen“ zu einer musikalischen Welturaufführung kommen: In der Wiener Ursulinenkirche werden von 22 bis 23 Uhr Stücke von Pater Robert Mehlhart, komponiert für vier Solisten und Orgel, zu hören sein: Schauspielerin Heidemarie Baratta trägt die Lesungstexte vor, nämlich das Hohelied der Liebe aus dem 1. Korintherbrief und eine Predigt von Augustinus über die Liebe. Insgesamt reicht die Themenpalette der „Langen Nacht der Kirchen“ von Ausstellungen über Diskussionsbeiträge, Führungen, Konzerte, Lesungen, Gottesdienste bis hin zu fremdsprachigen Programmpunkten und speziellen Schwerpunkten für Kinder. Die „austria guides“, die Kooperation der geprüften Wiener Fremdenführer, bietet drei thematische Stadtspaziergänge, unter anderen zu den ersten Kirchenbauten in Wien.

Die „Lange Nacht der Kirchen“ ist eine ökumenische Veranstaltung, an der alle Kirchen und Glaubensgemeinschaften teilhaben, die im Ökumenischen Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) vertreten sind bzw. dort Beobachterstatus haben. ÖRKÖ-Vorsitzender Bischofsvikar Nicolae Dura betonte in seinen Grußworten an die neunte „Lange Nacht“ das „Aufeinander-Zugehen“, das stets ein „Einander-Kennenlernen“ zur Voraussetzung habe: „Jeder Besuch beim Anderen baut neue Brücken zueinander“.

An der „Langen Nacht der Kirchen“ nahmen im Vorjahr mehr als 320.000 Menschen teil, davon alleine in Wien mehr als 150.000. Die Veranstaltung hat mittlerweile international Anklang gefunden: Unter anderem in Tschechien, Ungarn, Estland und Polen wird es ebenfalls eine „Lange Nacht der Kirchen“ geben.

ISSN 2222-2464