Kunst im Zeichen der Spiritualität

Zerschmissene Glasscheiben und Kreativität: Jahr der Spiritualität prägt Kärntner PfarrerInnen-Konferenz und Frühjahrstagung der Akademie Kärnten – Klaus Berger: Gott nicht aus der Portokasse bedienen

Waiern (epd Ö) – Ganz im Zeichen der Spiritualität standen der vergangene Freitag und Samstag in Kärnten: Begonnen hat die Kärntner PfarrerInnen-Konferenz Freitag Früh mit einem Workshop „Faszination Spiritualität“, am Nachmittag beeindruckte eine Vernissage mit Arbeiten des Künstlers Matthias Klemm und mit Werken der Pfarrerinnen und Pfarrer, und am Abend faszinierte der Heidelberger Neutestamentler Prof. Dr. Klaus Berger mit „Was ist biblische Spiritualität?“

Ein Kunst-Workshop mit Klemm am Samstag vollendete die „Faszination Spiritualität“ der Akademie Kärnten, die sich mit dieser Frühjahrstagung auf die „Suche nach neuen religiösen Ausdrucksformen“ im Zeichen des „Jahres der Spiritualität“ gemacht hat.

Deutliche Worte

„Das Ziel der christlichen Spiritualität ist es, Gott nicht zu vergessen und bewusst aus der Tiefe zu leben“, betonte Berger in seinem Vortrag. „Die Menschen wollen keine kirchlichen Denkschriften oder ausgefeilten Hirtenbriefe mehr hören. Die Menschen wollen klare Aussagen.“ Selbstverständlich seien gewählte Ausdrucksformen der Kirchen notwendig, „ich vermisse aber den Mut zu deutlichen Worten, durchaus auch mit charismatischen Elementen“. Berger will wissen, ob „Christus dem modernen Menschen etwas zu sagen hat, ob man mit Christus leben und mit ihm sterben kann“. Der Esoterikboom sei auch mit begründet in den „verkopften Volkskirchen, die langweilige Gottesdienste hervorbringen“. Berger wünscht sich dagegen eine biblische Spiritualität. Die sei „kein „Zuckerschlecken“: Als Christus erfährt, dass er der Sohn Gottes ist, widerfahren ihm „40 Tage lang Scheußlichkeiten in der Wüste“. Das zeige, dass Gott „nicht aus der Portokasse“ bedient werden wolle, sondern wissen will, ob er vom Menschen gebraucht werde. Berger: „Gott sehnt sich nach dem Menschen, und der Mensch sehnt sich nach Gott.“ Spiritualität bedeute auch die Unterbrechung des Alltags. Für die kontemplative und spirituelle Existenz sei es wichtig, immer wieder an der Spiritualität zu arbeiten, denn „Spiritualität ist Arbeit“. Es gehe darum, mit den biblischen Texten zu leben und auf diese Weise „seine Seele in die Sonne zu halten und mit der Gegenwart Gottes zu leben“. Auf der anderen Seite bedeute Spiritualität natürlich auch, Furcht und Zittern zuzulassen bis hin zur Ars Moriendi, der Kunst des Sterbens, „denn auf diesem letzten Weg begleitet uns Christus“.

Bereicherung für Gottesdienste

„Wir sind heute und morgen ganz intensiv der Spiritualität auf der Spur“, sagte der Superintendent der Diözese Kärnten, Manfred Sauer in einem Gespräch mit epd Ö am Rande der Frühjahrstagung „Faszination Spiritualität“ der Akademie Kärnten. Bei ihrer PfarrerInnen-Konferenz am selben Tag hatten die Pfarrerinnnen und Pfarrer mit dem Künstler Matthias Klemm gearbeitet. Sauer ist fasziniert, „was der Mann an Kreativität aus uns herausgeholt hat“. Vieles davon sei auch für Gottesdienste einsetzbar, so Sauer. „Klemm hat zu Beginn des Tages eine Glasscheibe auf den Boden geschmissen und auf den Scherben mit Farbe und Rolle und Papier Bilder entstehen lassen. So ein Bild kann ich als Impuls verwenden für den Beginn einer Predigt, beispielsweise zum Thema, wie aus Zerbrochenem Neues entstehen kann.“ Am Anfang habe Skepsis bei den Kolleginnen und Kollegen geherrscht, „dann aber waren alle erstaunt über ihre eigenen guten Ideen und ihre Kreativität.“ Auch das sei eine Form der Spiritualität und „auf alle Fälle“ eine Bereicherung für Gottesdienste oder für Bibelarbeiten.

Jeder Mensch hat Kreativität

„Wir haben heute gut gearbeitetm und ich bin mit unseren Werken sehr zufrieden“, bilanzierte Matthias Klemm, bildender Künstler aus Leipzig. „Was wir heute getan haben, ist ein Prozess, der zur Spiritualität führen kann, er ist nicht selbst schon Spiritualität“, betonte Klemm. Es habe sich wieder einmal gezeigt, dass „jeder Mensch Kreativität hat, sie muss nur geweckt werden“. Wenn dies gelinge, dann entstünden wunderbare Kunstwerke und, „mindesten genauso wichtig: Im Prozess des Entstehens entsteht auch Freude beim Kunstschaffenden.“ Das sei an den Werken zu bemerken.

Musikalisch gestaltet wurde der Tag von der Flötistin Ingrid Steuerer, moderiert hat der Leiter der Akademie, Pfarrer Mag. Martin Müller. Dem allerdings fiel die unangenehme Aufgabe zu, gleich drei erkrankte Referenten für die Tagung zu entschuldigen.

ISSN 2222-2464