Kundgebung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge

Derzeit leben in Österreich über 2600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, 1400 von ihnen seien in nicht kindgerechten Massenquartieren, wie dem Asyllager Traiskirchen oder der Zeltstadt in Erdberg, untergebracht, so die Kritik der Organisatoren. (Foto: epdÖ/T.Schönwälder)
Derzeit leben in Österreich über 2600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, 1400 von ihnen seien in nicht kindgerechten Massenquartieren, wie dem Asyllager Traiskirchen oder der Zeltstadt in Erdberg, untergebracht, so die Kritik der Organisatoren. (Foto: epdÖ/T.Schönwälder)

Hunderte Menschen versammelten sich am Wiener Minoritenplatz

Wien (epdÖ) – Mit Parolen wie „Minderjährige Flüchtlinge sind keine halben Kinder“ und „Keine Kinder in Traiskirchen“ demonstrierten am Montag hunderte Menschen am Wiener Minoritenplatz für mehr Rechte und eine bessere Unterbringung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen. Organisiert wurde die Kundgebung vom Bündnis „Alle Kinder haben Rechte“, an dem sich auch Organisationen wie die Diakonie, die Kindernothilfe und die Caritas beteiligen. Derzeit leben in Österreich über 2600 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge, 1400 von ihnen seien in nicht kindgerechten Massenquartieren, wie dem Asyllager Traiskirchen oder der Zeltstadt in Erdberg, untergebracht, so die Kritik der Organisatoren.

Für Katharina Glawischnig von der Asylkoordination ist der Umgang mit minderjährigen Flüchtlingen in  Österreich nicht zufriedenstellend. Gerade Kinder und Jugendliche, die ohne Eltern aus ihrer Heimat fliehen mussten, sind auf besondere Fürsorge und Schutz angewiesen. Dies sei durch mangelnde Betreuung in „Massenquartieren wie Traiskirchen allerdings nicht möglich“, so die Expertin für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Darüber hinaus würden die jugendlichen Flüchtlinge durch den Staat zu „halben Kindern“ gemacht, da ihnen nur die Hälfte der Tagessätze der regulären Kinder- und Jugendhilfe zusteht.

Dass der Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nicht mit der UN-Kinderrechtskonvention übereinstimmt, zu der sich Österreich 1992 per Gesetz verpflichtet hat, darauf wies Kinder- und Jugendanwältin Monika Pinterits hin: „Das Recht auf Schutz, Geborgenheit und persönliche Entfaltung ist für Kinder in Asyllagern ohne persönliche Ansprache und adäquate pädagogische und psychologische Betreuung nicht gegeben.“ Die Anwältin kritisierte auch den Umgang mit Flüchtlingen, die im Laufe des Asylverfahrens die Volljährigkeit erreichen. Diese würden, wenn sie das Glück hatten und in einer Betreuungseinrichtung aufgenommen wurden, mit Vollendung des 18. Lebensjahres wieder herausgenommen und in eine normale Unterkunft für Asylwerber überstellt. Die Beendigung der Schule oder einer Ausbildung würde so unnötig erschwert.

Scharfe Kritik übten die Veranstalter an der von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner geplanten Aussetzung der Asylverfahren. Diese Maßnahme sei angesichts der ohnehin schon viel zu langen Verfahren „geradezu zynisch“. Zu den konkreten Forderungen des Bündnisses „Alle Kinder haben Rechte“ zählen neben der adäquaten Unterbringung von allen in Österreich lebenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen auch die Anhebung der Tagessätze und das Einhalten der UN-Kinderrechtskonvention sowie die Aussetzung von rechtswidrigen Altersgutachten.

ISSN 2222-2464