Kriegsende: Nicht vergessen und Lehren für die Zukunft

"Nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges ist es für die Evangelische Kirche wichtig, auch 70 Jahre später nicht zu vergessen und Lehren für die Zukunft zu ziehen", heißt es in der Erklärung des Oberkirchenrates. Im Bild: Das von Bomben zerstörte Warschau (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2008-0415-508 / CC-BY-SA)
„Nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges ist es für die Evangelische Kirche wichtig, auch 70 Jahre später nicht zu vergessen und Lehren für die Zukunft zu ziehen“, heißt es in der Erklärung des Oberkirchenrates. Im Bild: Das von Bomben zerstörte Warschau (Foto: Bundesarchiv, Bild 183-2008-0415-508 / CC-BY-SA)

Evangelischer Oberkirchenrat veröffentlicht Erklärung zum 8. Mai 1945

Wien (epdÖ) – „Nach dem Schrecken des Zweiten Weltkrieges ist es für die Evangelische Kirche wichtig, auch 70 Jahre später nicht zu vergessen und Lehren für die Zukunft zu ziehen“, heißt es in einer aktuellen Erklärung des Evangelischen Oberkirchenrats A. und H.B. in Österreich im Gedenken an das Kriegsende. Vor 70 Jahren, am 8. Mai 1945, endete mit der Kapitulation der Wehrmacht der Zweite Weltkrieg.

In der Erklärung erinnert der evangelische Oberkirchenrat daran, dass auch Österreicherinnen und Österreicher im Zweiten Weltkrieg zu Täterinnen und Tätern wurden. Darüber hinaus wird einmal mehr festgehalten, dass die Evangelische Kirche in dieser Zeit schwere Schuld auf sich geladen habe. „Mit besonderer Scham erfüllt uns auch 70 Jahre nach Kriegsende das Versagen bzw. die Mittäterschaft gegenüber Jüdinnen und Juden und gegenüber anderen Gruppen wie Behinderten, Roma oder Homosexuellen, die alle als ‚unwertes Leben‘ angesehen und damit der Gefangenschaft oder dem Tod preisgegeben wurden“, heißt es in der Erklärung. Zwar habe es auch Widerstand von evangelischer Seite gegeben, wie etwa durch Pfarrer Dietrich Bonhoeffer oder den österreichischen Oberstleutnant Robert Bernardis. Aber sie seien „eher die Ausnahme als die Regel“ gewesen. Heute lehne die Evangelische Kirche Krieg als Mittel der Konfliktlösung ab. Vielmehr sehe sie ihren Auftrag darin, zu Versöhnung und Verständigung zwischen Menschen und Gruppen beizutragen; den jüdischen Geschwistern gegenüber habe die Kirche eine besondere Verantwortung. Ihr Einsatz gelte heute aber auch Menschen auf der Flucht, die Schutz vor Krieg und Verfolgung suchen. Kein politischer Führer und keine Ideologie dürfe über Gott stehen, hält das Leitungsgremium der Evangelischen Kirche fest und betont: „Nie wieder soll sich die Kirche mit menschenverachtenden und todbringenden Kräften verbünden, sondern die Würde jedes einzelnen Menschen achten.“

Der Wortlaut der von Bischof Michael Bünker und Landessuperintendent Thomas Hennefeld gezeichneten Erklärung findet sich hier.

ISSN 2222-2464