Kreuzkirche in Graz: Von der Parkbank auf die Schulbank

„Ich versuche als Player vor Ort ein Stück weit eine positive Wirkung in den Volksgarten hineinzubringen. Unser Schlachtschiff dabei ist unser Adventmarkt in der Kirche", erklärt Pfarrer Paul G. Nitsche zur Situation im Grazer Volksgarten. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
„Ich versuche als Player vor Ort ein Stück weit eine positive Wirkung in den Volksgarten hineinzubringen. Unser Schlachtschiff dabei ist unser Adventmarkt in der Kirche", erklärt Pfarrer Paul G. Nitsche zur Situation im Grazer Volksgarten. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Pfarrgemeinde leistet Beitrag zur Integration und zum Miteinander im Volksgarten

Graz (epdÖ) – Von der Parkbank auf die Schulbank – so lässt sich wohl am ehesten beschreiben, was jeden Montag- und Mittwochnachmittag in der Grazer Kreuzkirche passiert. Seit mehreren Monaten schon stellt die evangelische Pfarrgemeinde beim Grazer Volksgarten ihre Räumlichkeiten zur Verfügung, um Deutschkurse für Flüchtlinge und Asylwerber zu ermöglichen. Rund 300 Personen kommen wöchentlich und büffeln deutsche Grammatik und Wortschatz. Organisiert werden die Kurse von der „Drehscheibe Volksgarten“. Die Idee dahinter: Asylsuchende und Flüchtlinge, die ihre Zeit im Volksgarten absitzen, weil sie auf einen positiven Asylbescheid warten und nicht arbeiten dürfen, können zumindest ein- bis zweimal pro Woche einer sinnvollen Tätigkeit nachgehen.

Anfänglich ging es darum, den jungen Asylsuchenden Jobs zu vermitteln, aber ohne Deutschkenntnisse ist das nicht möglich, sagt Pfarrer Paul G. Nitsche. Also haben zwei Mitarbeiter der „Drehscheibe Volksgarten“ begonnen, sich um Deutschkurse zu kümmern. Auf der Suche nach ehrenamtlichen Helfern haben sie sich bewusst an die Universität gewandt und Studierende gesucht, die den Migranten ehrenamtlich Deutsch und Englisch beibringen. Mit großem Erfolg: 30 bis 50 Ehrenamtliche von der Universität Graz, aber auch aus der Pfarrgemeinde, unterstützen die Flüchtlinge und Asylwerber Woche für Woche beim Erlernen der neuen Sprache. „Wir organisieren nicht die Deutschkurse, aber wir stellen unsere Gemeinderäume zur Verfügung. Als Pfarrgemeinde subventionieren wir damit das Projekt“, erklärt Nitsche im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst.

Mit dieser Arbeit leistet die Pfarrgemeinde nicht nur einen wichtigen Beitrag zur Integration, sondern auch für das Miteinander der Menschen im Volksgarten. „Der Volksgarten ist ein sehr schöner Park, rundherum wohnen viele Menschen. Der Park wird auch sehr oft und sehr gerne besucht von verschiedenen Menschen. Bei Schönwetter sind enorm viele Leute aus unterschiedlichen Kulturen da. Die einen gehen spazieren, die anderen lernen für die Schule oder lesen ein Buch“, so Nitsche. In letzter Zeit sei es aber immer wieder zu Spannungen gekommen, weil der Park auch von vielen Asylwerbern genutzt werde. Darüber hinaus gibt es immer wieder Berichte, wonach im Volksgarten mit Drogen gedealt werde. Dieser negativen Entwicklung wollte man etwas Positives entgegensetzen, betont Nitsche, der als Pfarrer der Kreuzkirche auch Anrainer des Volksgartens ist. „Ich versuche als Player vor Ort ein Stück weit eine positive Wirkung in diesen Park hineinzubringen. Unser Schlachtschiff dabei ist unser Adventmarkt in der Kirche.“ Mit diesem einzigartigen Adventmarkt hilft die Pfarrgemeinde unter anderem Menschen in Altersarmut. „Im vergangenen Jahr haben uns Flüchtlinge beim Auf- und Abbau des Adventmarktes in der Kirche unterstützt. Somit haben sie mit ihrer Arbeit ÖsterreicherInnen in Not geholfen“, schwärmt Nitsche von dem Projekt.

Über die Arbeit von Pfarrer Paul G. Nitsche und der Pfarrgemeinde Graz-Kreuzkirche berichtete auch ein Beitrag im ORF-Fernsehmagazin „Thema“ am 2. Mai. Die Sendung kann noch bis kommenden Montag in der ORF TVthek nachgesehen werden.

ISSN 2222-2464