KrankenhausseelsorgerInnen weiterhin telefonisch erreichbar

Wegen strenger Zugangsbeschränkungen in Spitälern sind derzeit auch Krankenbesuche nicht wie gewohnt möglich. Foto: pixabay
Wegen strenger Zugangsbeschränkungen in Spitälern sind derzeit auch Krankenbesuche nicht wie gewohnt möglich. Foto: pixabay

Steiermark: Krankenhausseelsorger begleiten auf ökumenischer Hotline

Wien/Graz (epdÖ) – Die Krankenhausseelsorge verlagert sich in der aktuellen Situation der Corona-Pandemie zunehmend aufs Telefon, zugleich stehen die Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger vor einem „massiven Dilemma“, wie der Wiener Pfarrer Arno Preis, Krankenhausseelsorger am Wiener Allgemeinen Krankenhaus (AKH), erklärt. „Dort, wo wir gerade in einer Krisensituation sein sollten, können wir derzeit nicht sein“, sagt Preis im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst. Zu tun gäbe es aber genug, meint Preis, der auch Mitglied in verschiedenen Ethikkommissionen ist: „Die Kranken bekommen gar keinen Besuch, sterben oft alleine. Es geht auch den Teams auf den Stationen nicht gut.“ Tragische Situationen spielten sich schon bei der Triage ab, also der Einteilung, ob Menschen überhaupt im Spital aufgenommen werden können oder nicht. „Auch müssen Menschen oft ganz alleine durchs Krankenhaus gehen, um einen sterbenden Angehörigen zu besuchen“, schildert Preis die Lage.

Grundsätzlich hätten die hauptamtlichen Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger Zugang zu den Krankenhäusern, allerdings nur mit ID-Karte und durch spezielle Eingänge und Schleusen, erklärte Preis’ Kollegin Elke Kunert gegenüber der Zeitschrift „Evangelisches Wien“: „Auf die Stationen dürfen wir nur gehen, wenn wir zu Sterbenden oder Verstorbenen gerufen werden. Unser Verständnis von seelsorgerlicher Begleitung, spirituellen Angeboten, Gesprächsangeboten, wie wir es normalerweise praktizieren, können wir im Moment nicht wahrnehmen.“

Schoene: „Gemeinsam werden wir diese Zeit meistern“

Um Zuversicht bemüht zeigte sich Krankenhausseelsorgerin Katharina Schoene im Gespräch mit der Evangelischen Zeitung SAAT: „Wir haben einen Brief auf den Stationen ausgehängt mit Sätzen wie: ‚Jeder und jede von Ihnen hier im Krankenhaus ist wichtig und kostbar, war es immer auch schon. Das bedeutet aber auch, dass wir als Gemeinschaft für die Gemeinschaft Verantwortung tragen und daher gut aufeinander achten müssen. Sie sind wichtig und unentbehrlich. Daher ist es nicht egal, wie es Ihnen geht.‘“ Alle säßen in einem Boot, meint Schoene: „Es mag in den kommenden Wochen so manche Welle gegen unsere Bordwand schlagen, vielleicht auch so manches Wasser eindringen und uns in Schieflage bringen, aber: Gemeinsam werden wir diese Zeit meistern.“

Telefonseelsorge 142 stark nachgefragt

Arno Preis betont, dass die Krankenhausseelsorger weiterhin telefonisch erreichbar seien, „vom Krankenhaus aus werden wir aber eigentlich nicht angerufen, das kann man auch nicht erwarten“. In telefonischen Kontakt stehe er eher mit Patientinnen und Patienten, die ihn schon länger kennen, zum Beispiel solchen mit psychiatrischen Erkrankungen. Gerade diese befänden sich akut in einer Situation hoher Belastung, so Preis: „An das Zuhause gebunden zu sein, das löst vieles aus.“ Auch für Onkologiepatienten, die sich zwischen zwei Chemotherapien zuhause aufhalten, sei die Situation sehr schwierig. „Da muss man froh sein, dass es zumindest die Telefonseelsorge gibt.“ Unter ihrer Hotline 142 verzeichnet diese aktuell rund 50 Prozent mehr Anrufe als üblich.

Hagmüller: Einsamkeit lindern

Ein zusätzliches, ökumenisch organisiertes, telefonisches Seelsorgeangebot für alle Sorgen rund um den Coronavirus gibt es in der Steiermark. Hier übernehmen auch die evangelischen steirischen Krankenhausseelsorger Dienste, schildert Christian Hagmüller, Koordinator der evangelischen Krankenhausseelsorge in der Steiermark. Für kranke Personen seien zudem Rufbereitschaftsnummern rund um die Uhr besetzt. Verstärktes Anrufaufkommen merkt aber auch Hagmüller nicht: „Da ist es jetzt relativ still.“ Man versuche aber gezielt über Netzwerke auf Gemeindeebene bei Menschen anzurufen und „nachzufragen wie es läuft, um die Einsamkeit ein bisschen zu lindern“.

Die evangelischen Krankenhausseelsorgerinnen und -seelsorger sind in der „Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Krankenhaus- und Geriatrieseelsorge in Österreich“ organisiert. 

Evangelische KrankenhausseelsorgerInnen in Wien erreichen Sie unter: evang-wien.at/khs, in Graz unter evang.st/seelsorge/krankenhausseelsorge/

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ISSN 2222-2464