Krankenhausseelsorge: Tagung in Graz mit Demenz-Schwerpunkt

"Die Seelsorge ist das Gesicht der Kirche. Wir brauchen Ansätze, um mit dem Thema Seelsorge im Alter produktiv umzugehen", sagt Krankenhausseelsorgerin Margit Leuthold. Foto: epd/M. Uschmann
"Die Seelsorge ist das Gesicht der Kirche. Wir brauchen Ansätze, um mit dem Thema Seelsorge im Alter produktiv umzugehen", sagt Krankenhausseelsorgerin Margit Leuthold. Foto: epd/M. Uschmann

Margit Leuthold: Angehörige mehr in den Blick nehmen

Wien (epdÖ) – Aktuellen Schwerpunkten der Seelsorge im Alter widmete sich die Jahrestagung der Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Krankenhaus- und Geriatrieseelsorge in Österreich (AEKÖ), die von Montag, 19. bis Mittwoch, 21. März in Graz stattfand. Organisatorin und AEKÖ-Vorstand Margit Leuthold berichtet im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst von den jüngsten Entwicklungen im Bereich der Altenseelsorge: „Ein großes Thema ist die seelsorgerliche Begleitung von Menschen mit Demenz.“ Hier brauche es weitreichende Strategien, die bei dem Kontakt mit den PatientInnen anfingen: „Bei demenzkranken PatientInnen kann Beziehungsarbeit nicht nur sprachlich, sondern muss vor allem durch Zuwendung und Dasein passieren.“ Wesentlich sei aber zudem die Betreuung von Angehörigen, die bislang zu wenig Berücksichtigung gefunden habe. „Eine Demenzerkrankung dauert im Durchschnitt 14 Jahre. In dieser Zeit sind die Angehörigen stark belastet, leiden unter zunehmender Vereinsamung, Scham und langer Trauerarbeit.“ Viele der Angehörigen litten zudem an psychischen und physischen Folgeerkrankungen. Das Thema müsse daher in größerem Zusammenhang behandelt werden, auch, um langfristige Folgen für die Betroffenen und die Gesellschaft zu minimieren: „Wir brauchen ein Netzwerk, in dem die Kirchen ein Teil sind, und das zum Beispiel demenzfreundliche Apotheken, praktische Ärzte aber auch Angehörigengruppen umfasst. Auch demenzfreundliche Gottesdienste gehören dazu.“ Zudem fordert Leuthold verstärkte sozialpolitische Maßnahmen: „Wenn wir nicht finanziell in die Betreuung von Alten investieren, werden wir in zwanzig Jahren bereits bei der Hälfte der Angehörigen Folgeerkrankungen verzeichnen – das wäre eine menschliche Katastrophe.“ Ihr Appell: „Wir müssen die, die vergessen werden, mehr ins Zentrum stellen. Die Seelsorge ist das Gesicht der Kirche. Wir brauchen Ansätze, um mit dem Thema Seelsorge im Alter produktiv umzugehen.“ An der Tagung im Grazer Bildungshaus Mariatrost nahmen 18 SeelsorgerInnen teil.

Schlagworte: | | |

ISSN 2222-2464