Körtner: „Wir können aus gutem Grund evangelisch sein“

"Es wäre verfehlt, das Jahr 2017, wie von katholischer Seite gefordert, lediglich als Gedenken an die verlorene Einheit zu begehen. Die Evangelischen Kirchen hätten sehr wohl allen Grund, sich an den geistlichen Gaben der Reformation zu freuen", schreibt der evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner in einem Kommentar für die Tageszeitung "Die Presse". (Im Bild: Lutherdenkmal in Hannover, Foto: epdÖ/M.Uschmann)
"Es wäre verfehlt, das Jahr 2017, wie von katholischer Seite gefordert, lediglich als Gedenken an die verlorene Einheit zu begehen. Die Evangelischen Kirchen hätten sehr wohl allen Grund, sich an den geistlichen Gaben der Reformation zu freuen", schreibt der evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner in einem Kommentar für die Tageszeitung "Die Presse". (Im Bild: Lutherdenkmal in Hannover, Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Entstehung Evangelischer Kirchen „kein bedauerlicher Betriebsunfall“

Wien (epdÖ) – „Denken oder feiern?“, diese Frage stellt der evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner anlässlich des Reformationsjubiläums 2017 in einem Kommentar in der Tageszeitung „Die Presse“ (Ausgabe vom 30. Oktober). Hintergrund der Frage ist die Diskussion, ob „500 Jahre Reformation“ ein Grund zur Freude sind oder eher dem kritischen Nachdenken dienen sollen.

„Gedenken oder feiern, ist das tatsächlich die Frage? Wird hier nicht eine falsche Alternativen aufgestellt?“, fragt Körtner. „Es wäre verfehlt, das Jahr 2017, wie von katholischer Seite gefordert, lediglich als Gedenken an die verlorene Einheit zu begehen. Die Evangelischen Kirchen hätten sehr wohl allen Grund, sich an den geistlichen Gaben der Reformation zu freuen“, ist Körtner überzeugt. Diese Freude könne ein Ansatz für ein gemeinsames Reformationsgedenken und -feiern sein. Für die katholische Seite würde sich hier die Gelegenheit bieten, einmal darüber nachzudenken, was sie positiv der Reformation zu verdanken habe, auch wenn sie sich bis heute der Reformation nicht angeschlossen hat.

Ähnliches gelte aber auch für die Evangelischen Kirchen, betont der Theologe: „Auch die Evangelischen Kirchen hätten Anlass zu prüfen, was sie der Geschichte und der Gegenwart der katholisch gebliebenen römischen Kirche für das eigene Evangelischsein zu verdanken hat.“

Angesichts der zunehmenden Differenzökumene, die die Profile der unterschiedlichen Konfessionen bewusster macht, zeige sich jedenfalls, dass man „aus gutem Grund evangelisch sein kann“. Das Entstehen Evangelischer Kirchen sei jedenfalls „kein bedauerlicher Betriebsunfall der Kirchengeschichte“ gewesen, „vielmehr dürfen evangelische Christen für das evangelische Gestalten von Kirche und gottesdienstlichem Leben zutiefst dankbar sein und sich an ihrem geistlichen Reichtum erfreuen“.

Der ganze Kommentar kann im Internet nachgelesen werden: bit.ly/1tzb1Iu

ISSN 2222-2464