Körtner: „Reformationsjubiläum ist Bewährungsprobe“

"Das bevorstehende Jubiläum wird für die Ökumene eine Bewährungsprobe - übrigens auch für Papst Franziskus, auf den doch die Katholiken auch in ökumenischen Fragen so große Hoffnungen setzen", schreibt Ulrich H.J. Körtner in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Die Furche". (Bild: epdÖ/M.Uschmann)
"Das bevorstehende Jubiläum wird für die Ökumene eine Bewährungsprobe - übrigens auch für Papst Franziskus, auf den doch die Katholiken auch in ökumenischen Fragen so große Hoffnungen setzen", schreibt Ulrich H.J. Körtner in einem Beitrag für die Wochenzeitung "Die Furche". (Bild: epdÖ/M.Uschmann)

Kritik an EKD-Grundlagenpapier nicht sachgemäß

Wien (epdÖ) – „Es scheint, als ob Vertreter der katholischen Theologie und der Amtskirche Vorwände suchen, um sich der Herausforderung eines ökumenischen Reformationsjubiläums nicht stellen zu müssen.“ Diese Ansicht vertritt der Wiener evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner in einem aktuellen Beitrag für die Wochenzeitung „Die Furche“ (Ausgabe vom 7. August). Hintergrund ist die Diskussion rund um das Dokument „Rechtfertigung und Freiheit“, das vor wenigen Wochen von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) herausgegeben wurde. Darin wird versucht, Grundaussagen reformatorischer Theologie, etwa die Rechtfertigungslehre, so zu vermitteln, dass sie von den Menschen heute verstanden werden können.

Der Grundlagentext „Rechtfertigung und Freiheit“ hat viel Kritik ausgelöst. Evangelischerseits wird dem Text vorgeworfen, nicht auf der Höhe der Reformationsforschung zu stehen. Kritik kommt aber auch von katholischer Seite, etwa vom ehemaligen Präsidenten des Päpstlichen Rats zur Förderung der Einheit der Christen Kardinal Walter Kasper. Ihn stört, dass das Reformationspapier der EKD die Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre von 1999 nicht erwähne. Eine Kritik, die von den Mitverfassern des Dokuments nicht geteilt wird: Der Hinweis des Dokuments „auf die Römisch-katholische Kirche, mit der die Rechtfertigungslehre zwar gemeinsam formuliert werden kann, aber kirchentrennende Differenzen über das Verständnis des Amtes und der Sakramente bleiben“, beziehe sich eindeutig auf die Gemeinsame Erklärung von 1999.

Körtner sieht in der Kritik an dem Grundlagenpapier seitens der römisch-katholischen Amtskirche sowie der katholischen Theologie nur den Versuch, der Auseinandersetzung mit dem reformatorischen Erbe und dessen Einfluss auf die Römisch-katholische Kirche und Theologie aus dem Weg zu gehen. Dabei sollte sich die katholische Kirche fragen, was sie „möglicherweise der Reformation zu verdanken hat und was daher auch für sie 2017 ein Grund zum Feiern sein könnte“, schreibt Körtner. In dem bevorstehenden Reformationsjubiläum sieht Körtner jedenfalls eine Bewährungsprobe für die Ökumene, auch wenn in Österreich positive Signale zu vernehmen seien. Man dürfe jedenfalls gespannt sein, ob Papst Franziskus diese Probe bestehe und die großen Hoffnungen, die Katholiken in sein ökumenisches Engagement setzen, erfüllen kann.

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ISSN 2222-2464