Körtner: Recht kann Ethik in der Forschung „nicht ersetzen“

Dokumente reichen nicht aus, um Schutz des Lebens zu regeln

Wien (epd Ö) – Zwar gibt es laut dem Bioethiker Ulrich Körtner den Trend, Moral durch Recht in der Forschung kompensieren zu wollen. „Doch Recht kann Ethik nicht ersetzen.“ Nach Auftreten eines Problems dürfe man auch nicht nur auf die Arbeit der Ethik-Kommissionen reflektieren. Vielmehr gehe es um die Förderung von Grundhaltungen, sagte der evangelische Theologe von der Universität Wien anlässlich der Tagung „Ethik in der Forschung“, die am Montag, 26. Mai, in Wien stattfand.

Als ein internationales Instrument der Bioethik regeln Dokumente Aspekte der Wissenschaftsethik, so etwa das vom Europarat beschlossene und von Österreich trotz Empfehlung der Bioethikkommission noch nicht ratifizierte Menschenrechtsübereinkommen zur Biomedizin („Bioethik-Konvention“), die UNESCO-Deklaration zum menschlichen Genom und die Internationale Erklärung über humangenetische Daten. Auch wenn diese Dokumente für Körtner völkerrechtlich ihren Sinn haben und den Druck auf Regierungen erhöhen können, forschungsethische Aspekte zu behandeln: Es geht für den Experten, Mitglied der Bioethikkommission des Bundeskanzleramts, bei der Forschungsethik nicht nur um Kontrolle, „sondern um die Förderung eines Ethos“ im Sinne von „Professional Attitudes“.

Dokumente sind für Körtner auch „nicht ausreichend“, um den Schutz des Lebens zu regeln. So wird dieser auch nur begrenzt durch Menschenrechtskonventionen erfasst. Die Europäische Menschenrechtskonvention etwa gelte nur für bereits geborenes Leben. „Vorgeburtliches sowie in der Petrischale erzeugtes Leben sind so nicht abgedeckt“, erläuterte der Wissenschafter. Bestimmte Bereiche blieben damit offen.

Ein Problem der Debatte liege auch im Zusammenhang der Ethik und der Anthropologie: „Wir stoßen immer wieder auf das Menschenbild.“ Dieses gestalte sich für Länder und Kulturen sehr unterschiedlich. „Wie gehen wir mit dem fundamentalen Dissens um? Welche Instrumente können wir entwickeln, um unss zu einigen? Und können wir uns überhaupt auf eine universale Ethik einigen?“, verwies Körtner auf künftige Herausforderungen.

Abseits der Rechts-Instrumente geht es für Körtner vor allem um die Ethik-Ausbildung für junge Forschende. Man müsse die WissenschafterInnen „moralisch für die eigene Arbeit sensibilisieren“ und zum Beispiel Ehrlichkeit im Umgang mit unerwünschten Ergebnissen fördern. Bemühungen um forschungsethische Ausbildungsprogramme, wie sie etwa von der UNESCO-Kommission „World Commission on the Ethics of Scientific Knowledge and Technology“ (COMEST) mit dem „Ethics Education Programme“ (EEP) vorangetrieben werden, stecken für Körtner in Österreich „noch in den Kinderschuhen“. Für den österreichischen Vertreter in der COMEST-Kommission wäre das ein wichtiges Thema.

ISSN 2222-2464