Körtner: „Papst hat durch Lavieren der Ökumene geschadet“

Ohne Anerkennung der Frauenordination gibt es auch keine vollwertige Anerkennung der evangelischen Kirchen, meint der Theologe Ulrich Körtner. Foto: epd/M. Uschmann
Ohne Anerkennung der Frauenordination gibt es auch keine vollwertige Anerkennung der evangelischen Kirchen, meint der Theologe Ulrich Körtner. Foto: epd/M. Uschmann

Theologe sieht in „Furche“-Gastbeitrag Orientierungskrise des Protestantismus

Wien (epdÖ) – In einem Gastbeitrag für die katholische Wochenzeitung „Die Furche“ (21. Juni) relativiert der Wiener evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner überhöhte Erwartungen an die Ökumene, wie sie im Jahr des Reformationsjubiläums 2017 oftmals aufgekommen seien. Insbesondere Papst Franziskus‘ Zurückweisung des Beschlusses der deutschen römisch-katholischen Bischöfe, die Kommunion für nicht-katholische EhepartnerInnen von KatholikInnen zu öffnen, sei ein Rückschlag gewesen. Körtner erinnert auch an die jüngste Absage aus Rom in Sachen Frauenordination: „Ohne Anerkennung der Ordination von Frauen bleiben die Abendmahlsgemeinschaft von Katholiken und Protestanten und damit die vollwertige Anerkennung der evangelischen Kirchen in weiter Ferne.“ Anlass für Körtners Beitrag war die Reise des Papstes zum Ökumenischen Rat der Kirchen nach Genf am Donnerstag, 21. Juni.

„Im Jubiläumsjahr 2017 hat es offenkundig mancherorts an Realitätssinn gemangelt“, kritisiert Körtner. „Franziskus ist eben doch nicht so progressiv, wie viele glauben.“ Wie sein Vorgänger Papst Benedikt XVI habe er „eine rote Linie markiert, wo es in lehramtlichen Fragen ans Eingemachte geht. Der Ökumene hat der Papst durch sein Lavieren, das ja auch sonst seine Taktik ist, geschadet.“ Körtner erwartet nach der „anfänglichen Franziskus-Begeisterung, die es auch unter evangelischen Christen gab“ das Einsetzen einer Nüchternheit, „welche die Ökumene braucht.“ Auch die Evangelischen seien an der gegenwärtigen Lage nicht schuldlos, „weil manchen Repräsentanten, die auch die jüngsten Volten des Papstes schönreden, mehr an guter ökumenischer Stimmung als an theologischer Klarheit gelegen ist.“ Körtner unterstreicht, aus seiner Perspektive sei „das Reformationsjubiläum zum Gradmesser einer theologischen Orientierungskrise des Protestantismus geworden.“

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ISSN 2222-2464