Körtner: „Neuer Atheismus ist freiheitsgefährdend“

Ulrich Körtner: "Die Kontroverse über den neuen Atheismus ist nur ein Ausschnitt der aktuellen Debatte über Religion im öffentlichen Raum." (Foto: epd/M. Uschmann)
Ulrich Körtner: "Die Kontroverse über den neuen Atheismus ist nur ein Ausschnitt der aktuellen Debatte über Religion im öffentlichen Raum." (Foto: epd/M. Uschmann)

Evangelischer Theologe kritisiert Aktivisten des „Kirchen-Privilegien-Volksbegehrens“

Wien (epdÖ) – Zum bevorstehenden Volksbegehren gegen „Kirchen-Privilegien“ hat sich der Wiener evangelische Theologe Ulrich Körtner in der Tageszeitung „Die Presse“ geäußert. Mit religiöser Inbrunst würden die neuen Atheisten einen Kampf gegen Religion führen, so Körtner in seinem Kommentar (Ausgabe vom 4. April 2013). „Typisch für die neuen Atheisten sind Versuche, sich wie eine Religionsgemeinschaft zu organisieren“, schreibt der Theologe. In Österreich versuchten einige Aktivisten eine „Atheistische Religionsgemeinschaft in Österreich“ zu gründen und strebten den Status einer gesetzlich anerkannte Religionsgemeinschaft an.

Der neue Atheismus sei als Reaktion auf die Anschläge in New York vom 11. September 2001 zu verstehen, als Religion ihre hässliche Seite zeigte. „Mit seiner Parole ‚Kein Respekt für Religion‘ stellt der neue, kämpferische Atheismus jedoch das elementare Menschenrecht auf Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit infrage“, betont Körtner. Denn das Recht auf Religionsfreiheit bedeute nicht, dass der weltanschaulich neutrale Staat alle religiösen oder religiös begründeten Aktivitäten zu akzeptieren habe, meint Körtner. „Die Kontroverse über den neuen Atheismus ist nur ein Ausschnitt der aktuellen Debatte über Religion im öffentlichen Raum. Sie kreist nicht nur um die Frage, ob und wie weit der demokratische und weltanschaulich plurale Rechtsstaat auf (Zivil-)Religion als Sinnressource angewiesen bleibt, sondern genauso um die Frage, wie viel Religion moderne Gesellschaft und säkularer Staat vertragen. Der neue Atheismus gibt auf diese Fragen unterkomplexe Antworten und ist in seinen Konsequenzen freiheitsgefährdend.“

Grundlage dieses neuen Atheismus sei eine materialistische Weltsicht und eine Weltanschauung, die zwar behauptet, wissenschaftlich fundiert zu sein, letztlich sei sie aber pure Ideologie, so der Wiener Theologe. Den vollständigen Kommentar von Ulrich Körtner können Sie im Internet nachlesen: bit.ly/10x8ux7.

ISSN 2222-2464