Körtner fordert von EKD mehr Eindeutigkeit in Friedensethik

Unterstützung für Käßmanns Kritik am Afghanistan-Einsatz

Frankfurt a.M./Wien(epd/epd Ö) – Der Wiener evangelische Theologe und Sozialethiker Ulrich H.J. Körtner hat von der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) im Zusammenhang mit der Afghanistan-Debatte mehr Eindeutigkeit in der Friedensethik gefordert. Die friedensethische Grundaussage der EKD, „in der Zielsetzung christlicher Ethik liegt nur der Friede, nicht der Krieg“, sei zwar griffig aber auch unpräzise, heißt es in einem Beitrag des evangelischen Theologieprofessors für das Internetportal „evangelisch.de“. Dies liege auch an der Mehrdeutigkeit des Friedensbegriffs, betonte Körtner: „Freilich hat auch der Begriff des Krieges seine klaren Konturen verloren.“ Die „neuen Kriege“ seien eine Mischung aus Krieg, Terror, Verbrechen und Menschenrechtsverletzungen. Es seien zudem oft nicht mehr Staaten, sondern Warlords, die Kriege führen. Deshalb versage das Instrumentarium des Völkerrechts, das als zwischenstaatliches Recht konzipiert ist, in vielen Fällen.

Die kirchlichen friedensethischen Stellungnahmen der letzten Jahre räumten ein, dass im Konfliktfall Recht auch mit Mitteln der Gewalt durchgesetzt werden muss. Faktisch bedeute dies allerdings, „dass damit die Lehre vom gerechten, genauer gesagt vom gerechtfertigten Krieg im Rahmen einer modifizierten Lehre vom gerechten Frieden wiederkehrt“. Die deutsche Afghanistan-Debatte leide an mangelnder Klarheit und Selbstkritik auf allen Seiten, auf der politischen ebenso wie der kirchlichen, so Körtner: „Möglicherweise hat eben auch die friedensethische Linie der EKD die deutsche Selbsttäuschung über den Einsatz in Afghanistan begünstigt, aus der es nun ein böses Erwachen gibt.“

Unterstützung kommt von Körtner für die Position der EKD-Ratsvorsitzenden Margot Käßmann. Die Aussagen der hannoverschen Bischöfin zum Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr waren zum Teil auf heftige Kritik gestoßen. „Zu Recht“, so Körtner, fordere die Bischöfin eine klare Antwort auf die Frage nach den Zielen des politischen und militärischen Engagements in Afghanistan. Die ursprüngliche Begründung, der Einsatz sei notwendig, weil Deutschland am Hindukusch verteidigt werden müsse, trage nicht mehr, zumal Al Kaida seine Operationsbasen längst auch in andere Länder wie den Jemen oder Somalia verlagert habe. Körtner: „Das Bild von den brunnenbohrenden Entwicklungshelfern in Uniform hat sich als Illusion erwiesen. Deutschland führt Krieg, und wer kämpft, tötet.“

ISSN 2222-2464