Körtner: „Es geht darum, eine gemeinsame Geschichte zu schaffen“

„Der Brexit bedeutet nicht das Ende der Europäischen Union, aber das Ende der Illusion, der europäische Integrationsprozess sei unumkehrbar und schreite unaufhaltsam voran. Nun zeigt sich, dass die EU kein Selbstläufer ist", schreibt Theologe Körtner in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche". (Foto: Wikipedia/Bob Harvey)
„Der Brexit bedeutet nicht das Ende der Europäischen Union, aber das Ende der Illusion, der europäische Integrationsprozess sei unumkehrbar und schreite unaufhaltsam voran. Nun zeigt sich, dass die EU kein Selbstläufer ist", schreibt Theologe Körtner in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung "Die Furche". (Foto: Wikipedia/Bob Harvey)

„Brexit“ zeige, dass Europäische Union kein Selbstläufer sei

Wien (epdÖ) – „Die eigentliche Krise aber besteht darin, dass viele Menschen die europäische Idee für alt und verbraucht halten, während der überwunden geglaubte Nationalismus seine Auferstehung feiert“, schreibt der Wiener evangelische Theologe und Sozialethiker Ulrich H.J. Körtner in einem Gastkommentar für die Wochenzeitung „Die Furche“ (Ausgabe 30. Juni) über den „Brexit“. Bei einer Volksbefragung am 23. Juni entschied sich eine Mehrheit der BürgerInnen des Vereinigten Königreichs dafür, die Europäische Union nach über 40-jähriger Mitgliedschaft zu verlassen. „Der Brexit bedeutet nicht das Ende der Europäischen Union, aber das Ende der Illusion, der europäische Integrationsprozess sei unumkehrbar und schreite unaufhaltsam voran. Nun zeigt sich, dass die EU kein Selbstläufer ist.“

Körtner sieht in den aktuellen Entwicklungen eine Abkehr von der Idee eines vereinigten Europas. „Am Beginn stand die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die weiterhin eine tragende Säule der Europäischen Union ist, doch wurde die europäische Idee weiterentwickelt von einer reinen Wirtschaftsgemeinschaft zu einer politischen Union mit gemeinsamer Währung und Außenpolitik“, so der Theologe. „Doch während die internationale Gemeinschaft angesichts globaler Krisen wirtschafts-, außen- und sicherheitspolitisch große Erwartungen an die EU richtet, verstrickt sich Europa immer mehr in eine binneneuropäische Klientelpolitik und Kleinstaaterei, die von wechselseitigem Neid und Misstrauen geprägt ist.“

Was Europa jetzt dringend brauche seien nicht nur Reformen, es fehle vor allem die eine große Erzählung, die Emotionen bei den Bürgerinnen und Bürgern wecken kann. „Dabei kommt es nicht nur darauf an, eine gemeinsame Geschichte zu erzählen oder zu beschwören, wie es der Nationalismus tut. Es geht – mit Paul Scheffer gesprochen – vielmehr darum, eine gemeinsame Geschichte zu schaffen. Ohne den Willen, solch eine gemeinsame Geschichte zu schaffen, hat die EU keine Zukunft“, schreibt Körtner in seinem Beitrag.

Den vollständigen Kommentar finden Sie im Internet.

ISSN 2222-2464