Körtner: „Ehe für alle“ wertet Ehe auf

Die "Ehe für alle" münde nicht in eine Abschaffung des biblischen Eheverständnisses, sondern werte die Ehe auf, meint Ulrich H.J. Körntner in einem aktuellen Gastkommentar. Foto: epd / M. Uschmann
Die "Ehe für alle" münde nicht in eine Abschaffung des biblischen Eheverständnisses, sondern werte die Ehe auf, meint Ulrich H.J. Körntner in einem aktuellen Gastkommentar. Foto: epd / M. Uschmann

Für Kinder offene Verbindung von Mann und Frau weiterhin biblisches Leitbild

Wien (epdÖ) – „Kritiker sagen, die Ehe für alle laufe auf die Abschaffung des biblischen Eheverständnisses hinaus. Die Ehe für alle sei am Ende eine Ehe für keinen. Ich meine hingegen, dass die Öffnung der Ehe für gleichgeschlechtliche Paare im Gegenteil zu einer Aufwertung der Ehe führt, wobei für mich die für Kinder offene Verbindung von Mann und Frau weiterhin als biblisches Leitbild gilt.“ Das schreibt der evangelische Theologe und Ordinarius für Systematische Theologie an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Ulrich H.J. Körtner, in einem Gastkommentar für die Tageszeitung „Die Presse“ (Ausgabe vom 5. Juli).

Die Kirchen seien in dieser Frage gespalten. Die Römisch-katholische Kirche lehne die Gleichstellung von Ehe und homosexueller Partnerschaft grundsätzlich ab. Der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland hingegen hat die Entscheidung des Bundestages begrüßt, die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen. Die einzelnen Landeskirchen seien in dieser Frage aber zerstritten, auch was die Möglichkeit einer öffentlichen Segnung von homosexuellen Paaren betrifft. „In Österreich ist das nicht anders“, betont Körtner. Die im Jahr des Reformationsjubiläums beschworenen ökumenischen Gemeinsamkeiten seien somit „weit geringer, als uns offizielle Kirchenvertreter gern glauben machen“.

Anders als in Deutschland sei die Ehe für alle derzeit in Österreich „kaum denkbar“. Das „taktisch motivierte Hauruckverfahren“ kritisiert Körtner, dieses habe in Deutschland die demokratische Kultur beschädigt. Eine gesellschaftspolitische Entscheidung von derart fundamentaler Tragweite dürfe nicht aus wahltaktischen Manövern „übers Knie“ gebrochen werden, auch wenn sich rechtlich in Deutschland weniger ändert, als die emotional geführte Debatte suggeriert.

Zum Kommentar von Ulrich H.J. Körtner auf diepresse.com

ISSN 2222-2464