Körtner: „Calvin war ein Mann des Widerspruchs“

Symposion zum 500. Geburtstag des Reformators

Wien, (epd Ö) – „Calvin war ein Mann des Widerspruchs, sein Charakter eine Mischung aus Härte und Milde.“ So beschreibt der Wiener Systematiker Ulrich H.J. Körtner die Persönlichkeit des Genfer Reformators im Vorblick auf ein internationales Symposion zum 500. Geburtstag Johannes Calvins, das am 16. Juni an der Universität Wien veranstaltet wird. In einem in der Online-Zeitung der Universität Wien und in science.ORF.at erscheinenden Artikel mit dem Thema „Die reformierte Reformation – Vor 500 Jahren wurde Johannes Calvin geboren“ betont Körtner, für Calvin habe zu den zentralen Aufgaben des Staates gezählt, dass „unter den Menschen die Menschlichkeit bestehen bleibt“. Zu Calvins Erbe gehöre das „leidenschaftliche Ringen um soziale Gerechtigkeit“, Raubtierkapitalismus und Neoliberalismus fänden bei ihm keine Rechtfertigung. In Calvins Theologie, die eine „Frucht intensiver Bibellektüre“ gewesen ist, sei es „zentral um die Ehre Gottes“ gegangen, dem Papsttum habe der Reformator „mit überzeugenden Argumenten jede theologische und biblische Legitimation“ abgesprochen. Allerdings würdige die neuere Calvin-Forschung „die strukturellen Parallelen zwischen Calvins Kirchenverständnis und dem Kirchenverständnis des Zweiten Vatikanischen Konzils“. Zum vieldiskutierten „Fall Servet“ – der spanische Arzt Miguel Servet wurde 1553 auf Betreiben Calvins wegen seiner Leugnung der Dreieinigkeitslehre als Ketzer verbrannt – erläuterte Körtner: „Dass Servets Verurteilung unserem heutigen Verständnis von Gewissens- und Glaubensfreiheit widerspricht, bedarf keiner Diskussion. Aber das Genfer Urteil entsprach dem geltenden Recht im gesamten Hei-ligen Römischen Reich und war so gesehen kein Akt von Staatsterror.“

ISSN 2222-2464