Körtner: Austausch mit Atheisten dringlich und lohnend

"Statt an die vermeintliche Omnipräsenz religiöser Interessen in der Gesellschaft anzuknüpfen, sollten sich Theologie und Kirche auf die Bedeutung des Offenbarungsgedankens in der biblischen Tradition besinnen", schreibt Ulrich H.J. Körtner in der aktuellen Ausgabe der Furche. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
"Statt an die vermeintliche Omnipräsenz religiöser Interessen in der Gesellschaft anzuknüpfen, sollten sich Theologie und Kirche auf die Bedeutung des Offenbarungsgedankens in der biblischen Tradition besinnen", schreibt Ulrich H.J. Körtner in der aktuellen Ausgabe der Furche. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Herausforderung für Kirche und Theologie: Gewohnheitsatheismus und Selbstsäkularisierung

Wien (epdÖ) – Als eine ernste Herausforderung für Kirche und Theologie bezeichnet der Wiener evangelische Theologe Ulrich H.J. Körtner in der aktuellen Ausgabe der Wochenzeitung „Die Furche“ (11. September) den „Gewohnheitsatheismus“, der immer mehr zunehmen würde, wie zuletzt auch eine Mitgliedschaftsuntersuchung der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gezeigt habe. Diesem Gewohnheitsatheismus fehle die existentielle Auseinandersetzung mit Religion und Gottesglauben. „Selbst die Frage nach Gott ist diesem Gewohnheitsatheismus abhanden gekommen“, schreibt Körtner.

Ganz anders hingegen ein Atheismus, wie ihn Philosophen wie Slavoj Žižek oder etwa Alain Badiou vertreten. Diese würden teilweise tiefgründiger und ernsthafter existentielle Fragen für das Christentum, etwa nach dem Tod Gottes, bearbeiten, als es die christliche Theologie tue. Dieser Atheismus „fordert die Theologie gerade deshalb so sehr heraus, weil er sich mit der Sperrigkeit des biblischen Gottesglaubens in einer Weise auseinandersetzt, die man in Theologie und Kirche bisweilen vermisst“, so Körtner. Er beschreibt diese Strömung als „Atheismus mit Trauerflor“, welche einmahnen würde, dass in christlicher Theologie von Gott die Rede sein müsse. „Ihre Texte sind ein Gegengift gegen die Selbstsäkularisierung von Theologie und Kirche, die zu einer Banalisierung christlicher Glaubensgehalte führt.“

Angesichts weitverbreiteter Areligiösität beziehungsweiser religiöser Indifferenz müsse die Kirche den vom Evangelium bezeugten menschgewordenen und gekreuzigten Gott auch den religionslosen Menschen verkünden. „Statt an die vermeintliche Omnipräsenz religiöser Interessen in der Gesellschaft anzuknüpfen, sollten sich Theologie und Kirche auf die Bedeutung des Offenbarungsgedankens in der biblischen Tradition besinnen.“ Insofern sei ein Gestus der Überlegenheit gegenüber diesem „Atheismus mit Trauerflor“ völlig unbegründet. Vielmehr sei der Austausch und das Gespräch zwischen Philosophie und Theologie dringlich und lohnend.

ISSN 2222-2464