Kirchliche Organisationen gedenken Novemberpogromen

Die Kirchen gedenken heuer wieder mit rund 130 Veranstaltungen österreichweit der Novemberpogrome. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)
Die Kirchen gedenken heuer wieder mit rund 130 Veranstaltungen österreichweit der Novemberpogrome. (Foto: epdÖ/M.Uschmann)

Lesung in Zwinglikirche, Gottesdienst mit Bünker in St. Ruprecht

Wien (epdÖ) – Der Jahrestag der antijüdischen Pogrome des NS-Regimes am 9. November jährt sich heuer zum 75. Mal. Auch die Kirchen gedenken heuer wieder mit rund 130 Veranstaltungen österreichweit dieses Ereignisses. Mit der Gedenkreihe unter dem Titel „Mechaye Hametim“ („Der die Toten auferweckt“) wollen die christlichen Kirchen ein Stück „Erinnerungskultur“ und Bewusstseinsbildung schaffen.

Die Gedenkreihe ist interreligiös und findet ihren Höhepunkt am 9. November bei einem Ökumenischen Gottesdienst in der Wiener Ruprechtskirche (1010 Wien, Ruprechtsplatz 1), dem auch der Bischof der Evangelischen Kirche A.B. in Österreich, Michael Bünker, mitfeiern wird. Im Anschluss an den Gottesdienst ziehen die TeilnehmerInnen in einem Schweigemarsch bis zum Mahnmal auf dem Judenplatz.

Bereits am Tag zuvor, am 8. November um 19 Uhr, präsentiert das „Wiener Vorstadttheater“ in der reformierten Zwinglikirche (Schweglerstraße 39, 1150 Wien) Lesungen aus dem Briefwechsel „Abschiedsbriefe Gefängnis Tegel September 1944 – Januar 1945“ sowie „Außer dem Leben können sie Dir ja nichts nehmen“ von Helmuth James und Freya von Moltke, gelesen von Inge Bauböck und Wolfgang Hübsch. Für Musik sorgt Lenka Kilic, für die Dramaturgie ist Margaretha Neufeld zuständig. Produktion: „integratives theater österreich“ unter der Leitung von Manfred Michalke.

„Das Pogrom ist etwas, über das wir nicht gerne reden, weil es so furchtbar war. Wir sollten die Schatten aber ansehen und hervorholen“, sagt Wolfgang Kautek vom Katholischen Akademiker/innen Verband (KAV) Im Vorfeld der Veranstaltungen. Gedenken alleine sei aber nicht genug, betonte der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Oskar Deutsch. „An die Pogrome zu erinnern, ist zu wenig. Gerade angesichts des wachsenden Antisemitismus etwa in Frankreich, Griechenland, Ungarn oder Schweden müssen die Politiker und die Zivilgesellschaft daran erinnert werden, dass sie hier einen Auftrag haben.“ Gedenken sei gut, man müsse aber auch „im Jetzt dagegen ankämpfen“, so Deutsch.

Termine zu weiteren Veranstaltungen finden sie unter: www.christenundjuden.org/termine/

Die Veranstaltungsreihe wird getragen von Gemeinde St. Ruprecht, Evangelische Akademie Wien, Evangelische Hochschulgemeinde Wien, Wochenzeitung Die Furche, VHS – Jüdisches Institut für Erwachsenenbildung, Forum Zeit und Glaube – Katholischer Akademiker/innenverband der Erzdiözese Wien, Katholische Aktion Österreich, Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Theologische Kurse, Kardinal König Haus in Kooperation mit: Christ Church Vienna – Anglikanische Kirche, Kardinal König Archiv, Pfarre St. Johannes Nepomuk sowie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften.

ISSN 2222-2464