Kirchenvertreter mahnen zum Frieden

Gemeinsame Erklärung in Berlin – Krieg kein Mittel, um Abrüstung im Irak zu erreichen

Berlin, 5. Februar 2003 (epd Ö) Mit eindringlichen Worten haben Spitzenvertreter der Kirchen aus Europa, den Vereinigten Staaten und dem Nahen Osten vor einem Krieg gegen den Irak gewarnt. In einer am Mittwoch, 5. Februar, in Berlin veröffentlichten gemeinsamen Erklärung äußern sie sich besorgt über die „nicht nachlassenden Forderungen der USA und einiger europäischer Regierungen nach militärischen Aktionen gegen den Irak“. Einig sind sich die Bischöfe und Kirchenpräsidenten darin, dass Krieg kein Mittel ist, um Frieden zu schaffen.

Gemeinsam ist den Kirchenvertretern, darunter auch der evangelisch-lutherische Bischof Herwig Sturm, die tiefe Besorgnis über die andauernden Vorbereitungen für einen Militärschlag. Das „tiefe Bedauern“, dass Krieg als akzeptables Mittel der Außenpolitik betrachtete werde, brachte der Generalsekretär vom Ökumenischen Rat der Kirchen, Konrad Raiser, zum Ausdruck. „Es gibt eine Alternative“, unterstrich er. Die Spitzenvertreter der Kirchen seien nicht nach Berlin gekommen, um der Politik Ratschläge zu erteilen, meinte er. Wichtig sei ihnen, als Kirchen gemeinsam aus ihrem Glauben heraus zu handeln.

„Wir können die Ziele, die von diesen Regierungen, insbesondere der USA, zur Begründung eines Krieges gegen den Irak angeführt werden, nicht akzeptieren“, schreiben die Kirchenvertreter in ihrer Erklärung. Sie prangern einen Militärschlag an, der eine Verletzung der UN-Charta darstellen würde. „Wir bestehen darauf, dass für die sorgfältig geplanten Maßnahmen der UN-Waffeninspektionen genügend Zeit eingeräumt wird.“

Nach Meinung des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Manfred Kock, ist Gewalt nur in Zusammenhang mit Schuld zu sehen. So wie er den Glauben verstehe, sei Krieg nicht das letzte Mittel. „Ich hoffe, dass Gott die Herzen bewegen kann“, sagte er.

Von den Friedensaktivitäten in den Vereinigten Staaten berichtete der Generalsekretär des National Council of Churches in den USA, Bob Edgar. Er bedauerte, dass es noch kein Treffen von Kirchenvertretern mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush über die Irak-Frage gegeben habe. Seit August warnten die amerikanischen Kirchen in zahlreichen Aktivitäten vor einem drohenden Militärschlag. Er selbst sei über den Jahreswechsel nach Bagdad gereist, um sich ein Bild von der dortigen Situation zu machen und den Christen in Irak Unterstützung zu geben. Die christlichen Gemeinschaften in Irak zählten weltweit zu den ältesten.

Edgar, der selbst mehrere Jahre Kongressabgeordneter war, sprach von seiner tiefen Betroffenheit, von den hungernden Kindern auf den Straßen Bagdads und dem Mangel an Medikamenten und Instrumenten in den Krankenhäusern. Diese Kinder würden Ziel der Angriffe werden, betonte er. Edgar unterstrich: „Man muss nicht in den Krieg ziehen, um Massenvernichtungswaffen zu zerstören.“ Er verwies auf die breite Friedensbewegung in den Vereinigten Staaten, die sich gegen einen Militärschlag stelle. Christen und Orthodoxe stünden gemeinsam mit ihrem Nein gegen einen Irak-Krieg, sagte er.

ISSN 2222-2464