Kirchen: Spirale der Gewalt in Nahost durchbrechen

Ökumenischer Appell – Hochrangige europäische Kirchenvertreter zu Kontakten mit Religionsführern aller Konfessionen im Libanon

Genf/Paris (epd Ö) – In einem gemeinsamen Appell haben christliche Kirchen ein Ende der Gewalt im Libanon, Israel und Palästina gefordert. Weder der Terror durch Katjuscha-Raketen noch die Zerstörung von libanesischen Häusern, Schulen und Dörfern könnten zu einem dauerhaften Frieden für die Region führen, beklagten der Weltkirchenrat (ÖRK), der Lutherische Weltbund (LWF) und die Allianz Reformierter Kirchen (WARC) in einer in Genf veröffentlichten Erklärung. Die Spirale der Gewalt führe allein zu Zerstörung und weiterem Hass auf allen Seiten. Die Unbeweglichkeit auf beiden Seiten müsse enden. Israel müsse sich rasch aus dem Libanon zurückziehen, die Hisbollah ihre Angriffe einstellen. Die Vereinten Nationen müssten mit aller Kraft auf einen Waffenstillstand und anschließend eine stabile Friedensordnung hinwirken.

Schockiert über das Ausmaß des Leids und der Verwüstungen rufen die christlichen Kirchen die Konfliktparteien zum Ende der Kämpfe auf. Die derzeitige Unnachgiebigkeit beider Seiten bezüglich der Vorbedingungen eines Waffenstillstands müsse enden. Auch die palästinensische Hamas müsse zu einer Verständigung beitragen. Von den USA, der EU und den arabischen Staaten fordern die Kirchen größere diplomatische Anstrengungen. Zugleich verweisen sie darauf, dass ein Waffenstillstand noch nicht eine Lösung der Konflikte bedeute. Auch danach müsse die Arbeit für Versöhnung und einen dauerhaften Frieden weitergehen. Dazu wollten die christlichen Kirchen beitragen.

Auch der Rat der katholischen Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) und die Konferenz Europäischer Kirchen (CEC/KEK) schalteten sich ein. Sie entsandten hochrangige Vertreter zu Kontakten mit Religionsführern aller Konfessionen in den Libanon. Der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen und Vorsitzende der Protestantischen Föderation Frankreichs (FPF), Pastor Jean-Arnold de Clermont, und der katholische Erzbischof von Tours, Bernard-Nicolas Aubertin, sollen auch mit dem libanesischen Regierungschef Fouad Siniora zusammentreffen. Die hohen kirchlichen Emissäre trafen am Mittwoch in Beirut ein und reisen am Samstag nach Israel und Palästina weiter. Sie wollten „Solidarität mit der Bevölkerung und den Kirchen“ im Nahen Osten demonstrieren und bei der Suche nach einem Ausweg aus der Krise helfen.

ISSN 2222-2464